Druckschrift 
Andeutungen über das Verhältnis des Religionsunterrichtes zur Kirche und Schule, und über die Behandlung desselben auf Gymnasien / Bresina
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1. Verhältniss des Religionsunterrichtes zu den Thatigkeiten der Kirche.

Mit der Mittheilung und Befestigung des christlichen Glaubens, welche der letzte Zweck des Unterrichtes in der christlichen Religion ist, hat es zunächst die Kirche zu thun. Der Unterricht in der christlichen Religion ist eine Thätigkeit der Kirche. Aus diesem Verhäft- nisse ergiebt sich der angedeutete Zweck dieses Unterrichtes. Der Religionsunterricht auf der Schule als enthalten in dem Religionsunterrichte überhaupt darf dies Verhältniss nicht ignoriren, sonst fällt er ab von dem Begriffe und Zwecke des Religionsunterrichtes und hebt sich selber auf.

Die Kirche ist eine Gemeinschaft, in welcher ein christlich-religiöses d. h. ein durch den Erlöser der Welt mit Gott versöhntes und in dem Dienste Gottes geheiligtes Leben zu Stande und zur Erscheinung kommt. Sie umfasst und durchdringt als solche den christlichen Staat. Ausserhalb dieser Gemeinschaft ist keine Gemeinschaft mit dem Christenthume. Wer ein Christ geworden ist, indem er sich bewusst wurde, ohne das Christenthum die sittliche Bestimmung des Menschen nicht erreichen zu können, der ist zugleich auch ein Glied dieser Gemeinschaft geworden. Denn das Christenthum entwickelt sich zu einer Gemeinschaft und ist nicht ausserhalb ihrer. Es ist Religion, also ein Leben in Beziehung auf Gott oder ein frommes, also das sittliche Leben in seiner Blüthe, in seiner Vollendung. Denn zum sitt- lichen Leben gehört nicht bloss die Beziehung des Menschen zu sich selbst und zu der Welt um ihn, wie sie das erleuchtete Gewissen an die Hand giebt und fordert, sondern auch seine Beziehung auf Gott. Beherrscht diese alle andern Beziehungen, so ist der Mensch wahrhaft sittlich d. h. zugleich religiös. Das Christenthum ist aber auch die absolute Religion oder ein Leben in der wahren Beziehung zum wahren Gott. In Christo ist das Leben des Men-

schen in solcher Beziehung zur vollen Plerosis gekommen; von ihm strömt es aus, darum 1