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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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575. Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott! Als zu einem Kreuz Sackerlot! ¹⁵) Aber wessen das Gefäss ist gefüllt, Davon es sprudelt und überquillt. Wieder ist ein Gebot: Du sollst nicht stehlen. 580. Ja, das befolgt ihr nach dem Wort, Denn ihr tragt alles offen fort, Vor euren Klauen und Geiersgriffen, Vor euren Praktiken und bösen Kniffen Ist das Geld nicht geborgen in der Truh, 585. Das Kalb nicht sicher in der Kuh, Ihr nehmt das Ey und das Huhn dazu. Was sagt der Prediger, Contenti estote, Begnügt euch mit eurem Kommisbrote. ¹⁵) Aber wie soll man die Knechte loben,

¹⁵) X. 55.David war auch ein Soldat und weiche Tapfferkeit halber keinem bey der Zeit, hatte gar offt gantze Armeen zu commandiren und zweiffels ohne auch un- bändige Kriegs Knecht under sich; doch hat dieser streittb re Kriegs-Fürst keinem viel Tausend Teuffel auff den Rüeken geladen; ich vermeine ja nicht, dass man das Maul muss weiter auffsperren zu diesem Spruch:Gott helff dir, als der Teuffel] holl dich. ¹⁶) Abraham erläutert dieses Gebot folgendermassen. X. 58.Die Soldaten, meint

er, haben das GebotDu sollst nit stehlen mit einem einzigenStrichel] vermehrt, so dass es nun bei ihnen lauteDu sollst miit stehlen, daher komme es denn, dass unter einerBeckelhauben vielRauben und Klauben stecke und dass nicht wenige Soldaten meinen, sie seien deswegen Kriegsleut, damit sie überall was kriegen, gleichviel wo dieses liege, ob offen auf der Bank oder versteckt und verspert in einem Kasten. Zwar gebe es auchplumpe Soldaten, aber die Mehrzahl habe doch guteInventiones, absonderlich bei den Bauern; dann wann sie allda ein Kun stenlen, so nemmen sie das Kalb für ein Zuwag. Diese guten Leute wollen keine Diebe sein und treiben unter dessen stets die freie Kunst. Daher die Klage, dass man von den Kriegsknechten weit mehr zu leiden habe als von den Feinden. Ob ihnen schon der H. Joannes, der Tauffer, geprediget, sie sollen mit ihrem Sold aufrieden seyn und niemand das Seinige entfrembden, so schlagen sie doch diesen Scrupel in Wind und ist ihnen nie rechter, als wanns krumpe Finger machen. Wie man sieht, unterscheiden sich die beiden Erläuterungen nicht unbedeutend von einander, und zwar besteht der wesentlichs'e Unterschied darin, dass Abraham's Auslegung des Gebotes Leser und lesekundige Zuhörer voraussetzt, jene Schillers dagegen blos Zuhörer, ohne Rücksicht darauf, ob sie lesekundig sind oder nicht, und ferner dass Abraham seine Soldaten zu einem verächtlichen Diebs- gesindel stempelt, dem nichts erwünschter ist, als wenn es im Trüben fischen undkrumpe Finger machen kann, während den Wallensteinern Schillers nur insofern eine Ueber- tretung des in Rede stehendes Gebotes schuldgegeben werden kann, als sie nicht in Feindes- sondern in Freundesland hausen. Doch gibt der Kapuziner selbst zu, dass man ihnen ihr Treiben halb und halb entschuldigen müsse, da si das Aergernis dazu von oben bekommen. Und so unrecht hat er nicht, selbst wenn wir ihm seine Beweisführung nicht gelten lassen. Versichert doch der lange Peter von Itzehoe und dem dürfen wir aufs Wort glauben, da er vieler Herren Länder geseh'n und schon manches Commando erprobt dass nur unter Wallensteins Fahnen ein rechtes Soldatenleben zu finden sei. (W. L. 304 ff.):

Da geht alles nach Kriegessitt'!

Hat alles'nen grossen Schritt,

Und der Geist, der im ganzen Corps thut leben,

Reisset gewaltig, wie Windesweben,