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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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hat der Jauchzer:Heysa, Jucheysa, Dudeldumdey wie auch das darauf- folgende: quos ego! gewiss etwas stark Burleskes an sich.

An Burleskem nun ist bei Abraham allerdings kein Mangel fasst jede Seite bietet dafür zu Dutzenden die Belege und wenn sich bei

ihm gleichwohl ein ähnlicher Eingang nicht findet, so ist daraus noch 8 8 8 9 keineswegs der Schluss erlaubt, dass Abraham ihn überhaupt nicht machen 7 1

können, sondern nur, dass es ihm zu einem solchen an der entspre chenden Veranlassung gefchlt habe. Den besten Beweis liefert sein Syl- labus. ³¹) Dieser enthält nur Entwürfe über die evangelischen Perikopen, und man sollte daher meinen, wenn irgendwo, so werde gewiss hier keine Spur davon zu finden sein. Aber weit gefehlt; hier erst recht, als hätte er sich's zur Aufgabe gemacht, den Grundsatz seiner Kirche: satisfacere ingenio ct genio hujus mundi ³²) der übrigens auch der seine war ³³) zu Ehren zu bringen. Ein paar Beispiele werden es bestätigen. Dabei greife ich die nächsten besten heraus, in der Ueberzeugung: Eine un- befangene Prüfung werde auch diesen das Zeugniss nicht versagen, dass sie ceteris paribus dem Schiller'schen Eingang mindestens eben- bürtig an die Seite gestellt werden dürfen: Dom. XXI. post. Pentecost. Ich lade hiemit ganz freundlich meine gegenwärtige Zuhörer, was Wan- dels und Handels sie immer seynd, zu einem Tantz. Es ist zwar denen Geistlichen das Tantzen verboten ctc. Dom. Palm.Heut schenk' ich euch ein paar Esel; das ist ja ein chrliche Schänckung. Dom. Quadrag. Ich nicht, ich nicht, wie ich sase, ich nicht; der Saul, laut Göttlicher

³¹) Aus der Praefatio zuReimb dich oder ich Liss dich: Ingratiam et favorem Praeconum Evangelicorum, maxime Ruralium, brevem Syllahum annexi, ubi volummodo Exordia pro Concione cudenda haberi possunt, cum resciam, quod non pauei in texen- dis exordiis magnopere desudent et non leves pationtar difficultates. ³²)Je stärker die Spannung, je unversöhnlicher der Gegensatz ist, worein der Katholicismus Kircne und Welt gegen einander bringt, je heiliger ssine leiligen sind, je abgelöster vom Familienleben durch den Cölibat sein Clerus ist: um so mehr macht sich andererseits das Bedürfniss als eine Art physischer Nothwendigkeit zur Herstel- lung des Gleichgewichtes geltend, sich, um dennoch auf diese Welt zu wirken, auch wieder an ihre Formen"nzuschliessen Daher zeigt der Katholicismus a Iler Orten neben allseiner Härte doch zugleich eine Geschmei- digkeitin Bezug auf Nationalsitten, auf Volksgeist und Welt- natur, die der Protestantismus inseinerabstracteren(iedan- kenstrenge., in seinem alle IIlusionen abstosserden nüchter- nen Wahrheitssinne niemals zu haben sich rähmen kann, ob- wohler sehr gut weiss, dass ihm dadurch ein bedeutender Hebel zur Gewinung äusserer Erfolgeabgeht. Palmer. Geistl. u. Welt. p. 256. ²³) Seine Predigten waren geistliche Volksunterhaltungen und obschon ein ziem- licher Theil des Publicums sich hauptsächlich seiner Spässe wegen bei der Kanzel ein- fand, so dürfte doch im Ganzen und Grossen genommen, die sittliche Wirkung der- selben mindestens ebenso gross gewesen sein, wie die der Predigten seines gleich be- rühmten Zeitgenossen Massillon, von dem Ludwig XIV. versichente, dass er ihn mit sich selbst immer unzufrieden machte.