Druckschrift 
Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
Einzelbild herunterladen

48

seiner fern in Rußland lebenden Eltern jäh ins Grab. Das Requiem für ihn fand am 17. April statt.

Am 11. Mai inspizierte der Fachinspektor für den Turnunterricht an den deutschen Mittelschulen Böhmens, Herr Josef Schantin, den Turnunterricht in der Pa und Ib Klasse; ebenso inspizierte der hochwürdigste Herr Erz- dechant von Pilsen Joh. Cerny, am 7. Juni den katholischen Religionsunterricht und am 10. Juni der Herr k. k. Landesschulinspektor Georg Tauber den Unter- richt im Latein in der II. Klasse.

Am 8. Juni starb nach langem Siechtum ein äußerst fleißiger, gesitteter und talentierter Schüler, Hönig Richard, aus der zweiten Klasse; an seinem Begräbnis nahmen alle Schüler teil.

Durch die Munifizenz des löblichen Stadtrats der kgl. Stadt Pilsen erhielt das Gymnasium ein herrliches Portal. Als im Jahre 1911 das im schönsten Barockstil erbaute Guldenersche Haus am Eingange vom Ringplatz in die Fodermayergasse abgetragen wurde, um einen modernen Bau an seine Stelle zu setzen, da suchten Kunstfreunde wenigstens das Portal zu retten. Weil jedoch dasselbe nicht zum neuen Hause paßte, so verfiel man auf den glück- lichen Gedanken, es an das alte Gymnasium zu geben, in der Nähe der St. Annakirche, die im gleichen Stil erbaut ist. Der alte, vollständig schmuck- und kunstlose Eingang des Gymnasiums wurde verbreitert und im ersten Stock verschwanden 2 Fenster, um einem einzigen größeren Platz zu machen. Der Bau wurde während der Ferienzeit 1911 ausgeführt und anfangs des Schuljahres beendigt; er kostete die Summe von 3983 K 54 h. Das Portal ist nicht nur eine Zierde des Hauses, sondern auch der Stadt, weil in einer der belebtesten Gassen gelegen; es tritt hier sogar mehr hervor als an seinem ursprünglichen Standplatz, wo es von der Masse von Kaufläden förmlich er- drückt wurde.

Der Gottesdienst war bei den Schülern aller Konfessionen geregelt; die katholischen Schüler wohnten in der wärmeren auch an Wochentagen dem Gottesdienste bei und beteiligten sich samt dem Lehrkörper an der Fronleich- namsprozession. Am 2. Dezember, 1. April und 22. Juni empfingen sie die hl. Sakramente der Buße und des Altares. Mit der österlichen Beichte wurden die geistlichen Exerzitien verbunden.

Am 10. Februar wurden die Semestralausweise verteilt, am 6. Juli wurden die Schüler nach einem feierlichen Gottesdienste, Absingung der Volkshymne und Verteilung der Jahreszeugnisse entlassen.