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Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein
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BEMERKUNGEN 2ZU SCHILLERS DRAMIN.

I.

Wallenstein.

(Der) ungesättigt immer weiter strebend, Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.

Die Vollendung desWallenstein bezeichnet einen der bedeutungsvollsten und folgen- reichsten Zeitpunkte in der Geschichte unserer neuern Dichtung. Eine poetische Haupt- gattung, das ernste Drama, trat hinaus aus der kleinbürgerlichen Welt in das öffentliche Volksleben, ¹) kühn verliess der Dichter die alte Bahn, um den Hörer

aus des Bürgerlebens engem Kreis Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen.

Zerfallen sehen wir in diesen Tagen

Die alte feste Form, die einst vor hundert Unqd fünfzig Jahren ein willkommner Friede Europens Reichen gab, die teure Frucht Von dreissig jammervollen Kriegesjahren. Noch einmal lasst des Dichters Phantasie Die düstre Zeit an euch vorüberführen,

Und blicket froher in die Gegenwart

Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne. ²)

Schon diese Wahl(des Stoffes) allein macht Schiller zum grossen Dichter. ³²) Aber nicht nur der grosse, nationale Gegenstand verlieh dem Werke jene hohe Bedeutung, sondern auchdie lebensvolle, in den meisten Punkten vollendete Ausführung, 4) die Kunst, mit der er diesen grossen Gegenstandin einer Reihe reich belebter und markiger Bilder zur An-

1) Koberstein, Aug.: Grundriss der Geschichte der deutschen Nationallitteratur 45. Leipzig 1873.

S. 499. 2) Schillers sämtliche Schriften. Historisch-kritische Ausgabe. 12. Stuttgart 1872. Wallenstein.

Prol. 53 f.; 7078. 3) Vilmar, A. F. C.: Geschichte der deutschen National-Litteratur. 9. Aufl. Marburg 1862. 8. 483.

4) Vilmar a. a. 0.