18 der Heldin dennoch durch diese Stufe sehr deutlich fühlbar, besonders nach der intriguanten Erklärung des abgehenden Feiglings: Die schändlichste Verschwörung bis Bolschaft. Es enthält die Scene„drei dramatische Momente: a) den verbindenden Monolog Leicesters, b) Unterredung zwischen Leicester und Mortimer, c) Mortimers Tod.“— 4. Stufe. Für diese letzte Stufe hat der Dichter die weiteste Ausführung für nötig befunden, denn sie ist offenbar die wichtigste; sie zeigt die verhängnisvollste Rückwirkung des tragischen Momentes, nämlich die Unterzeichnung des Todesurteils(IV, 5— 12). Schon dadurch, dass Kulissen- wechsel eintritt, ist dieselbe von den beiden vorhergehenden kräftig abgehoben. Da gegen das Ende jedes Dramas der Zusammenhang der Begebenheiten und selbst der Ausgang dem Hörer nicht mehr zweifelhaft scheint, so muss fortan sein Interesse dadurch erregt werden, dass gezeigt wird, wie alles geschieht. Man lasse gerade daraufhin den Schüler diese letzte, kräftigste Wirkung prüfen. Die 4. Stufe besteht nämlich aus einer„Doppelscene und aus zehn Momenten, von denen die ersten vier: der Streit Elisabeths mit Leicester, zu einer Gruppe verbunden, den sechs letzten: die Unterschrift des Urteils, gegenübertreten. Die sechs Momente der zweiten Scenenhälfte entsprechen den sechs letzten Auftritten des Textes“(vgl. G. Fr. a. a. O. p. 184, sowie I, p. 17, N. 63). 1. Scene der 4. Stufe:„Streit Elisabeths mit Leicester“(IV, 5, 6), umfasst vier Momente: a) Elisabeth erklärt Burleigh, Maria hinrichten, Leicester gefangen setzen zu lassen (IV, 5); b) Elisabeths Zorn gegen Leicester(IV, 6, etwa bis wenn ich es nicht verhindert); c) Leicesters schimpfliche Verteidigung(IV, 6, bis gleich ausgeferligt werde); d) Leicester und Burleigh werden zu Voll- streckern des Todesurteils ernannt(IV, 6 Schluss). 2. Scene:„Unterschrift des Todesurteils“, umfasst sechs Momente: a) der Volksauflauf vor dem Palaste(IV, 7 ³¹); b) das Vorlegen der Schrift(IV, 8); c) Burleighs Drängen und die Warnung Talbots(IV, 9); d) Plisabeths Monolog und Unterschrift(IV, 10 ³⁵); e) Davisons Zögern und Elisabeths zweideutiges Benehmen(IV, 11³⁵⁶); f) Burleigh bemächtigt sich der ÜUnterschrift (IV, 12 ³⁷), zugleich Uberleitung“s zum Akt der Katastrophe.
J. v. O. Lionels stürmisches Drängen am Ende von III, 10 zeigt die reaktivierende Gewalt des Gegenspiels an. Daran schliesst sich zunächst die Überleitung zur Umkehr: Johanna ohnmächtig in La Hires Armen(III, 11). In zwei grossen Stufen wird dann die Wirkung des tragischen Momentes (Johanna ver fälltder Macht der Liebe, Verletzung der Bedingung, s. p. 11) gezeigt, und zwar in der Weise, dass, wie bei der Steigerung des Stückes, der äusseren Handlung immer ein innerer Vorgang(in Johannas Seele, s. I, p. 28 flg.) entspricht.— 1. Stufe(IV): Johannas Verbannung— Verzweiflung. Vorscene: Schuldbewusstsein(IV, 1—3), in drei Momenten(Graden der Steigerung): a) Monolog, erwachendes Gefühl des Gelübdebruches(IV, 1), b) Sorels Dank steigert das Gefühl des Schuldigseins(IV, 2), c) sie fühlt deutlich beim Aufdringen der Fahne ³²³ die Nähe des göttlichen Gerichts(IV, 3); Hauptscene: Der erste Teil des göttlichen Gerichts(IV, 4— 13); a) Einleitung: Auftreten der Ihrigen: IV, 4⁴⁰, Bertrand, Etienne mit dem Volke den Zug erwartend; IV, 5, durch Margot und Louison wird die Rede wieder auf Johanna gelenkt; IV, 6, diese selbst im feierlichen Zuge der Mittelpunkt, besonders noch hervor- gehoben durch ihre Haltung; IV, 7, Schilderung des Eindrucks bei den Schwestern und ihren Freiern; IV, 8,
3⁴) D. M. St. 194. Man erwartete hier doch eine Erwähnung des wirklichen Anfalles und der schon Auftritt 2 erwähnten Zerstörung des Hauses des französischen Gesandten; gerade von dort sollte sich der aufgeregte Haufe nach dem Palaste wälzen.
35) D. M. St. 199. Dass unter Elisabeths Regierung auch manche blutige Verfolgung stattfand, wird mit dichterischer Freiheit übergangen.
36) D. M. St. 201, Anmerkung. Störend ist es, dass zuerst„der Graf von Shrewsbury“, vier Verse darauf„der edle Talbot“ steht.— 202, Anmerkung*) zu den Worten: Ich kam seit wenig Monden erst in dieses Amt.— 73. über die geschichtliche Wahrheit in Bezug auf die einzelnen Momente bei der Unterschrift und über den von allen Geheim- räten unterschriebenen Befehl zur Hinrichtung.
37) D. M. S. 204 u. 74. Der Dichter setzt hier Burleigh an Hattons(des Oberkammerherrn) Stelle und übergeht die übliche, weitere Anfrage der Minister an die Königin(Hatton begab sich in Begleitung Davisons dann zu Burleigh).
38) G. Fr. a. o. O. 184.„Es ist nicht immer bequem, aus einem fertigen Drama diese logischen Einheiten des schaffenden Geistes zu erkennen. Und es wird hier und da das schätzende Urteil unsicher sein. Aber sie ver- dienen grössere Aufmerksamkeit, als man ihnen wohl bis jetzt gegönnt hat“(vgl. I. p. 3. N. 6).
39) D. J. v. O. 226. Freilich sollte sie sich entschieden weigern, bedingte nicht die Absicht des Dichters, dass sie mit in die Kirche zieht, was für sie selbst die empfindlichste Strafe ist. Ebendaselbst die von Schiller zur ersten Vorstellung in Weimar(April 1803) gedichtete Strophe.
40) D. J. v. O. 227. Auch die Ihrigen sind aus der Ferne herbeigeeilt. Dabei kümmert es den Dichter wenig, dass die Ubergabe der Krönungsstadt erst tags vorher erfolgt war.— ebendas. über das auffallende Still- schweigen der Männer, besonders Etiennes.


