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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 1. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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Um in Familienangelegenheiten eine grössere Reise zu unternehmen, war Herr Oberlehrer Dr. Schneider vom 22. Oktober bis zum 10. November beurlaubt. Der grössere Teil des von ihm zu erteilenden Unterrichts wurde von Herrn Dr. Peter übernommen.

Die an erhebenden Eindrücken so reiche und deshalb wohl unvergessliche Feier des 400 jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers wurde in der Annenschule Sonnabend vormittags 10 Uhr durch Aktus begangen. Derselbe begann mit dem Gesang des Chorals:Eine feste Burg ist unser Gott. Nach den Deklamationen der Schüler Raffelt Vb.(Die Witwe zu Eisenach von Hagenbach), Beckmann UIIb.(Luther und Raphael von Gerock), Kummer OII.(Ein Traum Friedrichs des Weisen von A. Böttger), Hohlfeld OI.(ein selbstverfasstes Gedicht: Luther. auf der Wartburg), Günther OI.(ein in Oktaven abgefasstes Festgedicht), entwarf Herr Oberlehrer Böhme ein Lebensbild des grossen Reformators in folgenden Zügen:In seinem Gewissen streng ge- bunden an das Wort Gottes, war Luther selbst in allem übrigen vollkommen frei: frei von Furcht, wie von Kummer und Sorge, frei im Wort und in der Lebensweise; zum Schluss hob er die Wirkungen der Reformation auf die kommenden Jahrhunderte hervor. Der Chor erhöhte die Feier durch den Vor- trag desHymnus von O. Müller und J. S. Bachs:Ich will den Namen Gottes loben. Zuletzt ver- kündete der unterzeichnete Rektor die Namen derjenigen Schüler, welche durch die Munifizenz der Stadt- behörden wertwolle Bücherprämien(Dr. Jul. Köstlin, Martin Luther, sein Leben und seine Schriften; Wilh. Rein, Das Leben Dr. Martin Luthers) zur Erinnerung an die schöne Feier erhalten konnten.

Am 11. November vormittags beteiligten sich das Lehrerkollegium und die Klassen O0I. bis OII. an dem unter Festgeläute stattfindenden Kirchgange nach der Annenkirche und wohnten daselbst dem von Herrn Konsistorialrat Pastor D. Dibelius abgehaltenen Fest-Gottesdienste bei. Für die nicht konfirmierten Schüler von III bis VI fand nachmittags kirchliche Feier statt. Den oberen Klassen war es vergönnt, da sie an dem imposanten Fackelzuge nach dem auf dem Neumarkte aufgestellten Lutherdenkmal tpeilnahmen, auch dem ergreifenden Abschlusse, den daselbst das Luther- fest fand, beizuwohnen.

Durch Verordnung des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 19. November wurde Herr Schulamtskandidat Paul Plunder der Annenschule zur Erstehung des Probejahres überwiesen. Ihm wurde, nachdem er einige Zeit hospitiert hatte, physikalischer Unter- richt in Untersekunda B und Rechenunterricht in Sexta A zuerteilt.

Seit dem 19. November war Herr Konrektor Prof. Dr. Liesske infolge eines unglücklichen Falles, durch den er sich nicht unerheblich an der rechten Schulter verletzte, an seiner amtlichen Thätigkeit verhindert. Er wurde hinsichtlich des lateinischen Unterrichts durch Herrn Dr. Pohland, im übrigen durch seine Kollegen vertreten, war aber Neujahr soweit wiederhergestellt, dass er den Unterricht in allen Klassen selbst wieder übernehmen konnte.

Gegen Ende des Jahres hatte die Anstalt den Tod eines zweiten braven Schülers zu beklagen. Am 4. Dezember starb im Alter von 14 ½ Jahren an Lungenentzündung der Schüler der Tertia B Edmund Jordan. Zur Beerdigung der entseelten Hülle des Entschlafenen reisten sein Ordinarius, Herr Dr. Herrmann und der Yertianer Henkel nach Birkigt bei Tetschen, um dem Verklärten die letzten Grüsse der Schule ins frühe Grab hinabzurufen.

Bei dem auch in diesem Jahre am 25. Februar veranstalteten Familienabend war der musikalische Teil durch folgendes Programm vertreten:Ich will den Namen Gottes loben von J. S. Bach;Adoramus te, Christe von J. P. Palestrina;Es ist ein Reiss entsprungen von Mich. Prätorius; Sonate für Klavier und Violine von Beethoven(Klavier: Frl. Liesske, Tochter des Herrn Konrektors, Violine: Unterprimaner Zeuner);Lobgesang von Mendelssohn-Bartholdy;Weihe des Gesanges von Mozart;Abendgruss(Doppelquartett) von Otto Müller; Perpetuum mobile von Weber-Liszt; Perles d'Ecume von Kullak(vorgetragen von Frl. Liesske); Nocturne von Chopin- Wilhelmy für Violine(vorgetragen vom Unterprimaner Zeuner);Der Lindenbaum von Fr. Schubert; Das treue deutsche Herz von J. Otto. Herr Kommerzienrat Kaps hatte mit gewohnter Freundlichkeit einen Flügel zur Verfügung gestellt.

Anfang März wurde Herrn Oberlehrer Dr. Schneider ein zweiter Urlaub und zwar dies- mal zur Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit auf 3 Monate erteilt. Bis zum Ende des Schul- jahres wird der Unterricht, den derselbe als Ordinarius der Quarta A zu erteilen hat, durch Herrn Kand. Dr. Galle, der in den übrigen Klassen durch das Kollegium versorgt.