Unser Landesmuseum.
Ältestes bewahrt mit Treue, Freundlich aufgefaBtes N eue, Heitern sinn und reine Zwecke: Nun, man kommt wohl eine Strecke. Goethe
Im Laufe dieses Jahres werden sicli voraussichtlich die Pforten des Landesmuseums dei- Stadt Dessau öffnen, des ersten öffentlichen Museuins» in Anhalt. Dem neuen Institute tallt die Aufgabe zu, die natürlichen und kulturellen Verhältnisse sowohl der Residenzstadt als des Kreises Dessau und weiterhin des ganzen Herzogtums durch gegenstandliche Darbietung-en vor Augen z11 führen. Zugleich soll es zeigen, wie die«jetzig«e11 verhaltnisse sich entwickelt haben; aucli soll es erkennen lassen, in welchen Beziehungen zu der weiteren und weitesten Umgebung das stuclc deutscher Erde steht, das wir unsere Heimat nennen. Das Museum wird also im wesentlichen einen geographisch-kulturhistorischen Charakter tragen.
Obwohl der Mag-ist1«at der stadt Dessau bereits seit etwa einem Jahrzehnt die Begründung eines Heimatmusenins ins Auge gefasst, Privatsammlungen erworben und auf eigne Han(l Samm- lungen angelegt hat, obwohl ferner die Herzog-liebe staatsregierung angeordnet hat, dals zwei staatliche Sammluiigseii in dem Museum Aufstellung jindeii werden, kami das Landesmuseum selbst- verständlich nicht in einer schon einiger-knallen ausgereift-en Einrichtung an das Licht treten. Der Ausbau wird noch Jahre erfordern. so muB der im folgenden zu skizzierende Plan in vielen Teilen nur als ein Postulat aufgefath werden, als ein Idealplan, dessen Verwirklichung erstreben-s- wert erscheinen dürfte.
l. Von grundlegender Bedeutung ist die geographische Lag-e eines Ortes. Die erste lie- stimmung der Lage von l)essau, die Anspruch auf Korrektheit machen kann, ist durch Uerlk U lr.- Ant. Vieth im Jahre 1807 geschehen. Revisionen dieser Bestimmung hat samuel H ein r. Schwabe(geb. 25.0ktobe1«1789 in l)essau, gest. ebendort 11·b’el)1-11a1-1875) vorgenommen. lcs werden sicli Andenken(Bildnisse, H"an(lscln«iften) an diese beiden bedeutenden Manne-r herbeischatten lassen; vielleicht sind sogar die lnstrumente, deren sie sicli bei ihren Messung-en bedienten, noch vorhanden und kennen für das Museum erworben werden. Die Methode der Ortsbestimmung mull in dem ,,Ftihrer«, von dem unten ausführlicher die Rede seiii wird, in Kürze klargelegt werden. Die Darstellung der Lage mehrerer Punkte leitet Über zmn Entstehen der Plane und Karten. Es wird möglicli sein, aucli dem nicht faclimåinnisch Vorgebildeten wenigstens die Grundzüge de1- Landesvermessung zu erklären, ebenso das Nivellement und die wichtigsten Methoden der Feldmelzkunst Die Frage: Wie entsteht eine Karte? ist 211 wichtig, als daB sie an dieser Stelle Übergangen werden dürfte. Ortsplane und Flurkarten, Forstkarten und Blatt-er der Landesaufnahme älteren und neuesten Datums würden, in geeigneter erise zusammengestellt, zeig-en, wie von grolleren zii kleineren MaBstaben übergegangen wird, und wie schlieIZlich die Ubersichtskarte entsteht, welche die Lage des Heimatlandes im Deutschen Reiche zu1« Anschauung bringt. schichtenreliefs (mit tunlichst geringer Uberhohung) vom U nterharze und dem mittleren saalegebiete mindestens dürfen nicht fehlen.
2. Die Beschaffenheit des Bodens wird durch die Jlineralien- und Gesteinsammlungen er- läutert. Es kommt hier darauf an, die gesteinbildenden Mineralien einmal gesondert und in typischen


