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1 (1887)
Entstehung
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IIE Chronik.

Montag den 3. Mai 1886 wurde das Schuljahr mit gemeinsamer Andacht feierlich eroffnet.

An demselben Tage traten die Kandidaten des höheren Schulamtes Herr Dr. Alfred Rudolph aus Kassel und Herr Dr. Karl Ritter aus Worpswede(Pr. Hannover) zur Ableistung bezw. zur Vollendung des pädagogischen Probejahres ein, letzterer, welcher bereits am Gymnasium zu Göttingen thätig gewesen war, zugleich als wissenschaftlicher Hilfslehrer zur Vertretung des noch immer nicht wiederhergestellten Oberlehrers Eichenberg.

Leider besserte sich der Zustand des letzteren auch bis zu den Sommerferien so wenig, dass mehr und mehr für ihn die Hoffnung schwand, dauernd in sein Amt zurückzukehren. Und so sah er sich denn veranlasst, seine Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Durch Verf. des Pr. Sch. K. vom 26. Juli wurde ihm diese Bitte zum 1. Okt. bewilligt. So schied denn das hoch- geschätzte Mitglied unseres Kollegiums aus seinem amtlichen Wirkungskreise, in dem er über 40 Jahre lang seine beste Kraft zum Segen zahlreicher ihm dankbar verbundenen Schüler aufge- wendet hat. Der ÜUnterzeichnete spricht ihm auch hier den Dank der Anstalt für die segensreiche Thätigkeit aus, die er an ihr entfaltet hat. Möge er, wozu ja erfreulicher Weise alle Aussicht ist, noch lange des otium cum dignitate sich erfreuen, auch seiner alten Schule einige Anhänglichkeit bewahren!

Die erledigte Stelle wurde durch Aufrücken der folgenden Lehrer besetzt, die frei- gewordene letzte ord. Lehrerstelle aber dem wiss. Hilfslehrer Dr. Ritter vom 1. Okt. ab definitiv ubertragen. Er wurde am 8. Februar vom Direktor vereidigt.

Am 28. 30. Juni wurde die Schule einer eingehenden Revision durch Herrn Provinzial- Schulrat Kannegieser unterzogen. Auf Grund des darúber erstatteten Berichtes gab der Herr Minister der geistl. etc. Angel. die Genehmigung dazu, dass zum nächsten Ostertermine die der- maligen Schüuler der Gymnasial-Ober-Sekunda zu einer Abgangsprüfung zugelassen würden, von deren gunstigem Ausfall die Gleichstellung der Gymnasialklassen mit den entsprechenden Klassen eines vollständigen Gymnasiums abhängen werde.

Am 11. und 12. August unternahmen die oberen Klassen eine Turnfahrt auf das Knüll- gebirge, während die unteren Realschul-Klassen am 12. einen Ausflug nach dem Gehülfensberg und der Plesse, die Vorschulklassen durch das Höllenthal nach Sooden machten.

Das Sedanfest wurde in gewohnter Weise gefeiert. Am Tage vorher wurde zur Vorfeier ein Schauturnen abgehalten. Am 2. Sept. selber fand dann ein Festakt am Fusse des Krieger- denkmals statt. Die herkömmliche Ansprache hielt der Unterzeichnete, indem er daran erinnerte, dass nur dieeinmutige Erhebung des deutschen Volks den Erfolg gesichert, dass einmütiges Zusammenstehn auch weiter die einzige Burgschaft deutscher Grösse sei, welche weder religiöse, noch politische, noch Stammesunterschiede stören durften.

Des Geburtstages des erhabenen Protektors der Anstalt, Sr. Kaiserl. Hoheit des Kron- prinzen, wurde in der Morgenandacht des 18. Okt. gedacht. Die Wunsche und Gelübde der Schule fasste der Unterzeichnete in ein Hoch auf den geliebten Herrn zusammen, in welches die gesamte Schule begeistert einstimmte.

Mit Beginn des Wintersemesters trat der Kand. d. h. Schula. Herr Emil Garthe aus Eschwege bei uns ein, welcher nach Ableistung seines Probejahres der Anstalt zur Beschäftigung

uberwiesen war. Sein Eintritt ermöglichte es, die Gymnasial-Tertia nun auch im Lateinischen 4