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Von dem Gymnasium seiner Vaterstadt mit dem Zeugniſs der Reiſe entlassen, studirte er von Ostern 1832 an zwei Jahre in Marburg und eins in Göttingen Alterthumswissenschaft, Geschichte und Philosophie. C. Fr. Hermann und Herbart verdankt er zum gröfsten Theile seine wissenschaftliche Bildung. Nachdem er im Mai 1835 von der Commission zur theoretischen Prüfung der Bewerber um ein Gymnasiallehramt in Marburg examinirt worden war, trat er als Lehrer in das vom Dr. Kayser in Heidelberg geleitete Prixvatinstitut ein. Doch schon unter dem 9ten Navember desselben Jahrs ward er durch Rescript Kurf. Ministeriums des Innern beauftragt, an dem Unterrichte des hiesigen Gymnasiums Theil zu nehmen. Auf die von ihm als Programm zur Feier des Geburtstages Sr. Hoheit des Kurprinzen und Mitregenten geschrie- bene Abhandlung de Dionysii Halicarnassensis vita et scriptis erbielt er von der philosophischen Facultät in Marburg am 268ten August 1837 die Doctor- würde. Nachdem er Michälis auch die Prüfung seiner practischen Befähigung bei der K. Schulcommission für die Gymnasial-Angelegenheiten bestanden, ist er durch höchstes Rescript vom 28sten rovember zum Hülfslehrer am hie- sigen Gymnasium ernannt worden, um vornehmlich am philologischen Unter- richte Theil zu nehmen.
Hermann Alexander Müller ist geboren zu Bremen, wo sein Vater, den er früh verlor, Kaufmann war. Vom Herbste 1821 an besuchte er die Vor- und nachher die Gelehrtenschule daselbst. In seinem 19ten Lebensjahre bezog er 1832 die Universität Bonn, und hörte die Vorlesungen der Prof. Welcker, Heinrich, Näke, Brandis und Löbell, und begab sich nach einem dortigen anderthalbjährigen Aufenthalte nach Berlin, wo er zwei Jahre lang den Vor- lesungen der Prof. Böckh, Raumer, Steffens, Erdmann, Gerhard u. A. bei- wohnte. Da er sich in der letzten Zeit in Berlin besonders der Archäologie gewidmet hatte, zog ihn dieses Studium um Ostern 1836 nach München, wo er Thiersch Vorlesungen besuchte und sich durch den Umgang mit Franzosen, sowie durch das Studium gelehrter französischer und englischer Werke be- sonders in den neuern Sprachen ausbildete. Auf ein Specimen seiner groſsen- theils dort abgefafsten Schrift, Panathenaica,(welche erst vollständig Bonn 1837 133 p. erschien) erhielt er am 30sten Juli 1836 von der Universität Heidelberg die philosophische Doctorwürde. Im Herbst 1836 kehrte er nach Bremen


