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[2] (1894) Zur indogermanischen Syntax : Fortsetzung / von Heinrich Winkler
Entstehung
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ob wohl als auch das wenn vertreten. Man geht wohl nicht irre, wenn man das zweifelnde ob wohl als die Hauptbedeutung ansieht; heisst doch, abgesehen von dem erwähnten gotischen iba, ibai(niba...), altnordisch direct if= zweifel(cf. althochd. iba, dat. ibu). Von dieser Grundlage aus erscheint die Bedeutungsentwickelung verhältnismässig einfach. Die fragende Form ob wohl geht in die relative wenn etwa über, gerade so wie das Interrogativ reines Relativ wird: Der Mann wer ist gekommen? er ist wieder fort= welcher gekommen ist. Diese rein conditionale Anwendung ist allbekannt und bedarf keiner Belege. Aber auch die concessive Bedeutung, sowohl als wenn auch als auch als obwohl ist aus dem reinen ob wohl abazuleiten. Auch in einem: I will do it if I die for it=ich will es thun, und sollte ich deshalb sterben ist die Grund- auffassung die: ich thue es ob ich wohl dafür sterbe(sterben muss)? Beweis genug für diese Ansicht ist wohl, dass dieses eigentlich fragende ob wohl im Deutschen direct zur Coniunction im Sinne von wenn auch, obgleich wird. Rein fragendes if= ob ist ebenfalls ganz gewöhnlich: do you know if your brother will come= ob Ihr Bruder kommen wird? Die angelsächsischen Bei- spiele von gif als ob und wenn lassen kaum einen Zweifel, dass der Gang der Entwickelung der angegebene gewesen ist.

Neben if= wenn kommen andere Wendungen wie das obenerwähnte when oder in case= falls kaum in Betracht; bei dem letztgenannten ergiebt wie bei falls wieder bloss die Verbindung den relativischen Sinn im Falle dass.

Viel weniger klar ausgeprägt als bei if ist die eigentliche Bedeutung bei though= obwohl; aber, obgleich hier die concessive Richtung die weitaus überwiegende ist, fehlt doch die conditionale oder halbconditionale(as though= wie wenn...) keineswegs. Auch hier ist die Entwickelung nur zu verfolgen, wenn man das Gotische zu Grunde legt und auch die altnordischen und angelsächsischen Erscheinungen zu Rate zieht. Das Gotische zeigt schon die ganze Wagheit dieses Ausdrucks. Die Vergleichung von thau, thauh in seiner sehr verschiedenartigen Anwendung mit eiththau, svèthauh... ergiebt als Grundbedeutung ein schwaches so etwa, relativisch so etwa wie, wie etwa, wie wohl. Daraus wird im demonstrativen Sinne: doch wohl, gleichwohl, doch, dennoch. Relativisch wird einwie er ja doch(wohl) wusste direct zum: obgleich er wusste. So ist ja auch das deutsche wiewohl er wusste reine Concessivform. Im Altnordischen erscheint dies tho wie das deutsche doch nur in seiner schwach einräumenden demonstrativen Natur als doch, dennoch; soll es relativ werden, dann nimmt es das gewöhnliche Coniunctionen bildende at= dass(cf. bis dass, auf dass, ausgenommen dass...) und heisst ebenfalls allemal obgleich, wenn auch; natürlich verbindet es sich mit dem Coniunctiv, da der Sinn immer bleibt: mag er doch(immerhin) das thun. Auch das angelsächsische theah, theh verrät seine eigentliche Natur als doch, gleichwohl deutlich und hat ebenfalls als Coniunction meist den Coniunctiv; namentlich ist es mit dem gotischen thauh innig verwandt in Verbindungen wie sva theah= svéthauh. Das englische though ist demonstrativ ebenfalls= doch, dennoch, relativisch aber die eigentliche Concessivconiunction. In der Verbindung mit as tritt die ursprüngliche, halbconditionale Bedeutung klar hervor= etwa so wie(wie wenn): as though they should see twice as much than say= wie wenn man zweimal soviel sehen als sprechen sollte. Verstärkt heisst es dafür although mit dem vielbeliebten all(in allsogleich, alldieweil, allgemach).

Albe, albeit werden auch concessiv gebraucht, etwa im Sinne von: sei dem immerhin so.

Als negative Conditionalconiunction dient ein eigentümliches, ungemein vielseitiges Element, welches nebenbei den Wirkungskreis des lateinischen quin vertritt, auch stark in die Sphäre der vergleichenden und indirect fragenden Sätze übergreift, als Präposition fungirt und eine überreiche Wirksamkeit als Adverb entfaltet, meist im ausschliessenden oder gegensätzlichen Sinne, als allein, nur, doch nur, dessenungeachtet, indessen, sondern, aber... Auch hier ist die eigent- liche Bedeutung und die Entstehung auf dem Boden des Englischen nicht zu ermitteln, aber völlig