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[2] (1894) Zur indogermanischen Syntax : Fortsetzung / von Heinrich Winkler
Entstehung
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angewendet werden; somit entsprechen diese beiden Fälle dem Indicativ und dem Infinitiv bei dote, beide aber sind in das potentiale Verhältnis übergeführt. Soll die Folge als irreal bezeichnet werden, so tritt mit einem Präteritum ein. Auch das Deutsche erfreut sich hier grosser Freiheit, ist aber gleichwohl ausser stande, diese feinen Nüancen auch nur annähernd mit gleicher Schärfe und Kürze wiederzugeben.

Auch die Finalsätze bieten manche recht bezeichnende Abweichung von dem als Norm Angesehenen. So ist die Eigentümlichkeit allbekannt, dass in der Abhängigkeit von Ausdrücken des Sorgens, Bedachtseins... meist ncs mit dem Indicativ des Futurs sich verbindet. ꝓpovtigety Set rèv rασιν⁶ν, I 1 rHdteuHa EEet r‿Se= dass(wie) das Heer die nôtigen Lebensmittel erhält(erhalten wird). Es ist das genau dieselbe Auffassung, welche im Deutschen so wirkungsvoll das Futur oder gar das Präsens anstelle des Imperativ verwendet. Wenn das, was geschehen soll, hingestellt wird als etwas, was geschehen wird oder gar schon geschieht, so liegt darin eine ungemein kräftige Antecipation.Du wirst morgen früh auf Arbeit gehen,Du gehst m. f. auf A. ist jedenfalls ungleich drastischer alsgehe m. f. auf A.*)

Aber es können die Finalpartikeln ausnahmsweise auch mit dem Indicativ eines Präteritum verbunden werden; auch hier entspricht die Wahl des bestimmten Modus des Thatsächlichen durchaus dem deutschen Ausdruck. à⁴ ς IIvyrν⁴αα deEar regy, öog palvon rols deole d‿rtxτeno= damit Du Dich... zeigtest. Ebenso nach einem Ausdruck der Furcht: ßoöbsèa, A Aνραονεον Juapraey= wird sind voll Angst dass wir nur nicht beides verfehlt haben!

Das Englische zeigt in seinen Coniunctionen neben recht complicirten Verhältnissen z. t. eine grosse Einfachheit, vielfach noch weit grösser als im Deutschen. Es ist schon darum interessant genug, weil es noch mehr als das Deutsche das Entstehen der relativen Bedeutung und der Nebensätze erkennen lässt. In vielen Punkten erinnert es stark an die deutschen Dialecte, meist erheblich mehr als an die Schriftsprache; letzteres schon darum, weil es eigentliche relative Verbindungen doch nur in beschränktem Umfange kennt, vielfach die Sätze mit relativem Sinn völlig unvermittelt neben- einander stellt. the affection I bear to you= die Zuneigung(welche) ich fühle gegen Sie; the opportunity I have= die Gelegenheit(welche) ich habe; all I can all I may= alles(was) ich kann= soviel ich kann; for aught i know ebenfalls= soviel ich weiss; they are the most unhappy persons I have seen= das sind die unglücklichsten Menschen(die) ich gesehen habe.

Diese Richtung zeigt denn die Sprache auch in der Verbindung mit Coniunctionen, und man kann in dieser Beziehung drei Phasen deutlich unterscheiden. Zunächst kann die Coniunction ganz fehlen, und hierin ähnelt das Englische völlig dem Deutschen; es trifft das zu, wo wir die Coniunction dass im Erläuterungssatze erwarten. Hierin liegt der Beweis für die oben ausgesprochene Behaup- tung, dass diese Coniunction zunächst ganz inhaltlos, ohne jede Sonderbedeutung ist, dass sie auf coniunctionalem Gebiet dasselbe ist wie auf pronominalem das relative Pronomen; dass sie überhaupt nur das Vorhandensein einer Beziehung zwischen zwei Satzgliedern andeutet. Sowie es vorher hiess the affection I bear, so heisst es hier Ihope l shall have time to call on you, ganz wie im Deutschen: ich hoffe ich werde Zeit finden bei Ihnen vorzusprechen. Man denke an den aus- gedehnten Gebrauch dieser Art im Deutschen, an die vielen Wendungen wie: ich weiss, Du wirst Dir das überlegen ich fürchte, das bekommt ihm schlecht ich meine, so geht es nicht weiter ich vermute, Du hast Dich da geirrt...

. Das aber ist nur möglich, wo eben bloss die Vorstellung von einer coniunctionalen Ver- bindung, aber keine irgendwie geartete örtliche, zeitliche, ursächliche bestimmte Beziehung obwaltet.

*) Selbst ²ꝓ pεe kann in derselben Weise mit dem Futur verbunden werden: èàn! rour onsklorapar viſg dpxie, àc rs oͤm 0dsvò dy aobat= ich lege die Regierung nieder unter der Bedingung, dass ich unter keinem von euch zu stehen brauche(stehen werde, muss).