Druckschrift 
[2] (1894) Zur indogermanischen Syntax : Fortsetzung / von Heinrich Winkler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Nahe verwandt sind der Auffassung nach die Bezeichnung des subiectiven Grundes und der Absicht, und sie sind es auch der Form nach im Griechischen; der Hauptunterschied ist der, dass im ersten Falle mehr die blosse Möglichkeit, das potentiale Verhältnis hervortritt, im zweiten die Idee eines Wunsches oder der inneren Notwendigkeit. Das ist der Grund, weshalb in Absichtssätzen mit Vorliebe der Coniunctiv angewendet wird, auch nach einem regirenden Verb im Prä- teritum, während er nach regirendem Haupttempus das einzig Mögliche ist, wenn wirklich die Absicht hervortreten soll. 1ꝓ μ¶ α roοο o, öno⸗ el heisst: ich sage Dir dies(in der Weise), wie Du es wissen mögest. Folgt aber nach den finalen Partikeln und einem regirenden Präteritum das ab- hängige Verb im Optativ, so ist wohl in erster Linie bestimmend, dass überhaupt nach regirendem Prä- teritum gern der abhängige Satz den Optativ zeigt, namentlich aber nach relativen oder verallgemei- nernd relativen Ausdrücken; vielleicht aber wirkt hier auch der Optativ in seiner wirklich optativen Bedeutung mit. Die Negation ist unbedingt, und auch hierin zeigt sich die Vorstellung des Ge- wollten oder wenigstens innerlich Abhängigen; die Bezeichnung des subiectiven Grundes z. B. weist hier d auf, weil es sich um eine Art Behauptung handelt, wenn auch in der Form einer bploss sub- iectiven Ansicht. Die Finalpartikeln sind unbedingt relativ, und es begegnet uns sogar das soeben beim subiectiven Grunde behandelte wieder; häufiger ist jedoch das etwas stärkere örctoc, oder das örtliche wa= wo, eine grobsinnliche Form, aber keineswegs unerhört, wo relative oder coniunctionale Verhältnisse in Betracht kommen. Ganz abgesehen von anderen Sprachgebieten, wo das wo in noch viel weiterem Umfange den verschiedensten relativen Beziehungen dient, macht auch das Deutsche im Volkston ziemlich umfangreiche Anwendung davon; man denke nur an das Judendeutsche, wo dieses relative Adverb nicht nur im adverbial-coniunctionalen Sinne, sondern sogar anstelle des lebendigen persönlichen Relativ sehr gewöhnlich ist: der Mann, wo gestern da gewesen ist der Mann, wo ich gestern gesehen habe.

Im negativen Finalsatz ist zunächst die Grundlage dieselbe wie im positiven; daher hat er , NX brhj. Daneben aber geht eine andere Auffassung her, welche sich mit der lateinischen nahe berührt, d. h. mehr oder weniger klar den scheinbar abhängigen finalen Satzteil als unab- hängigen Wunschsatz auffasst und das reine prohibitive anwendet. Der ganze Gebrauch dieser selteneren, einfacheren negativen Finalpartikel spricht für die Richtigkeit der eben geäusserten An- sicht, namentlich aber die enge Ubereinstimmung mit dem Lateinischen gerade dort, wo direct der Beweis geliefert werden kann, dass das finale ut, ne thatsächlich als reine Wunschpartikeln fungiren, d. h. in der Abhängigkeit von Ausdrücken der Furcht. Hier hat das Griechische ebenfalls Brf, wo die deutsche Auffassung ein dass erwartet: οό νεα roro Tfrynra= ich bin in Besorgnis dass das nur nicht etwa geschieht! Fast noch deutlicher spricht das B d= ne non= dass nur nicht etwa nichtl. welches nach negativem regirendem Verb andeutet, dass die Befürchtung nicht dahin geht, dass etwas nicht geschehe; anders wäre dies pf°d überhaupt unerklärbar. Derselbe Sinn ist vorhanden, wenn ur 0d in Verbindung mit Verba des Hinderns vorkommt.

Auch die Consecutivsätze verwenden im Grunde genommen nur das so vielseitige, d. h. auch hier genügt im Zusammenhange die blosse Bezeichnung des wie, um klar die Vorstellung des Consecutiven hervorzurufen.(Nimmt man hinzu, dass neben den schon erwähnten Hauptanwendungs- arten auch die indirecte Frage in weitem Umfange sich desselben bedient, ganz abgesehen von mancher anderen mehr sporadischen Gebrauchsart, so wird man zugestehen müssen, dass diese Sprache mit einfachen Mitteln Erstaunliches leistet, und das mit völliger Klarheit und Schärfe.) Dabei ist auch hierin das Griechische weit entfernt von der Starrheit des Lateinischen und unterscheidet genau, ob die Folge eine blosse, gewissermassen historisch festgelegte Thatsache darstellt, an der nicht zu räütteln ist, oder ob dieselbe noch im Innern des Subiects als bloss Gewolltes, Befürchtetes, von dessen Willen Abhängiges oder doch mehr Gedachtes als historisch Vor- liegendes anzusehen ist. Im ersten Falle wird folgerichtig dors mit dem Modus des Thatsächlichen