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2 (1880)
Entstehung
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Andenken an die Reformation Luthers und an den 63. Stiftungstag unſeres Gymnaſiums zu feiern.

Sonntag, den 9. November nahmen dem Herkommen gemäß Lehrer und Schüler an der Abend⸗ mahlsfeier teil, und zwar diesmal in der kurz vorher reſtaurierten reformierten Kirche.

In der Woche vom 20. 25. Oktober ſchrieben die Primaner ſog. Tentamen⸗Arbeiten.

Der vorletzte Schultag des alten Jahres, der 19. Decbr., verſammelte Lehrer und Schüler Abends um 5 Uhr zu einer ebenſo einfachen, wie anſprechenden Weihnachtsfeier in der Aula. Unter brennenden Chriſtbäumen und der transparent leuchtenden Inſchrift: Ehre ſei Gott in der Höhe u. ſ. w. fand eine durch liturgiſche Chorgeſänge und Schriftlektionen erweiterte Andacht ſtatt.

Am folgenden Tag begannen die vierzehntägigen Weihnachtsferien.

In der Woche vom 23.28. Februar wurden die ſchriftlichen Maturitätsarbeiten angefertigt.

Die Aufgabe für den deutſchen Aufſatz war: Welchen Konflikt bringt Goethe in ſeinem Tor⸗ quato Taſſo zur Darſtellung? Die für den latein. Aufſatz: De Pausania, Lacedemoniorum imperatore..

Die mathematiſchen Aufgaben lauteten:

1. Beweis des Satzes: Eine Kugelfläche iſt immer beſtimmt durch vier Punkte, welche nicht in einer einzigen Ebene liegen. 2. Um den Grundkreis eines geraden abgeſtumpften Kegels iſt ein Dreieck beſchrieben, deſſen Seiten a= 3,48 m; b= 7,85 m; c= 10,63 m gegeben ſind. Außerdem ſind gegeben der Umfang des oberen Kreiſes= 4,78 m und die Länge der Seitenlinien = 6,74 m. In dem abgeſtumpften Kegel wird ein Kegel ſo konſtruiert, daß ſeine Grundfläche die Deckfläche des erſteren iſt und ſeine Spitze in dem Mittelpunkte der Grundfläche desſelben ſich be⸗ findet. Es ſollen der Mantel und der Inhalt dieſes zweiten Kegels beſtimmt werden. 3. In einen gegebenen Kreis ein regelmäßiges Zehneckzu zeichnen. 4. Ein Forſtbezirk iſt zu 32 500 cbm abgeſchätzt worden. Man weiß aus Erfahrung, daß 100 chm ſich jährlich um 3 chm vermehren. Wie viel chm enthielt dieſer Bezirk in einem Zeitraum von 12 Jahren, innerhalb deſſen er ge⸗ ſchont worden iſt.

Die mündliche Prüfung der diesmaligen Abiturienten fand am 17. und 18. März und zwar, da Herr Schulrat Dr. Rumpel an ſeinem Erſcheinen verhindert war, unter der Leitung des Direktors ſtatt. Am Schluß der Prüfung wurde 7 Oberprimanern das Zeugnis der Reife für die akadem. Studien zuerkannt.

Am 18. März wurde in Anweſenheit der Lehrer und Schüler aller Klaſſen auf dem Turn⸗ platz eine Prüfung im Turnen abgehalten. Es zeigte ſich, daß die Schüler ſich im allgemeinen mit Luſt und Eifer dieſem wichtigen Unterrichtszweige zugewandt hatten.

Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers wurde,(da der 22. März in die Karwoche fiel), Sonnabend den 20. Morgens um 10 ½ Uhr in der feſtlich geſchmückten Aula durch einen mit Ge⸗ ſängen und Deklamationen verbundenen Redeakt gefeiert. Die Feſtrede hielt der Gymnaſiallehrer Pfarrer Hüpeden. An die Feier ſchloß ſich die Entlaſſung der 7 Abiturienten, von denen Hans v. Ditfurth mit einer deutſchen Rede über das Thema: Welches ſind die wichtigſten Auf⸗ gaben, welche die Göthe'ſche Iphigenie zu löſen hat? von der Schule Abſchied nahm. Die Eltern

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