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Secunda u. Prima. Köpfe, architektoniſche Glieder, große Landſchaften mit Kreide, ganze Figuren. 1 St. w.(Roſenſtock.)
Geſang. Sexta. Uebung des muſikaliſchen Gehörs, Tonbildung, leichte Tonleitern, Solfeggien, Notenkenntnis, leichte Treffübungen. Einübung von Chorälen und 14 Liedern nach Erk. 2 St. w. G
Quinta. Wiederholung und Erweiterung des in VI Bearbeiteten; 12 Lieder nach Erk wurden eingeübt, wobei das Taktweſen beſondere Berückſichtigung fand. 2 St w.
Quarta und Tertia comb. Das Penſum für die aus dieſen Claſſen noch nicht zum Chor herangezogenen Schüler iſt außer der Repetition des Früheren um 8 Lieder nach Erk erweitert. (Wegen des Confirmanden⸗Unterrichtes nur im Sommerſemeſter.) 1 St. w.
Chorklaſſe. Es wurden eingeübt— vierſtimmige Lieder von Mendelsſohn, Karow, Greef u. A. — Liturgiſche Chöre, einige Pſalmen, Motetten, das Vorſpiel zu der Oper: Das unterbrochene Opferfeſt,(Chöre und Soli); ein Chor aus„Meſſias.“(Kapmeyer.)
Turnen. In drei Abtheilungen je 2 St. im S. und 1 St. im W. Im W. außerdem
1 St. für die Vorturner. In ſtufenweiſer Folge: Frei⸗ und Ordnungsübungen, Gerüſt⸗ und Ge⸗
räthübungen, Turnſpiele. Auch die in dieſem Winter ſo günſtige Gelegenheit zum Schlittſchuhlaufen
iſt unter Leitung des Lehrers eifrig benutzt worden.(Roſenſtock.) Baden u. Schwimmen. Im S. täglich 1 ½ Std. in der Weſer, unter Aufſicht des
Schwimmlehrers Meyer.
II. Chronik des Gymnaſiums.
Montag, den 29. April, Nachmittags 2 Uhr fand die Aufnahmeprüfung der von auswärts angemeldeten Schüler ſtatt. Am folgenden Morgen um 7 Uhr wurde das neue Schuljahr mit einer gemeinſamen Andacht, ſowie mit Vorleſung der wichtigſten Beſtimmungen der Schulordnung und der Aufnahme von 24 neuen Schülern eröffnet. Die Lectionen des Morgennnterrichts waren auch in dieſem Sommer, wie in dem vorangegangenen, auf die Zeit von 7—11, bezw. 7—12 Uhr ge⸗ legt, welche Einrichtung ſich abermals gut bewährte.
Mit Anfang des Sommerſemeſters trat der Candidat des höheren Schulamtes Ludwig Spieß aus Schönbach dahier ſein Probejahr an; derſelbe verließ uns nach kaum vierteljähriger Thätigkeit, um als Hilfslehrer am Gymnaſium zu Caſſel ſein Probejahr fortzuſetzen.
Eine größere Störung des Unterrichts wurde ſogleich bei Beginn des Schuljahres durch die Einberufung des Gymnaſial⸗Elementarlehrers Roſenſtock nach Hannover zu einer vierzehntägigen Uebung herbeigeführt.
Sonnabend, den 11. Mai langte dahier die erſte telegraphiſche Nachricht von dem am Nach⸗ mittag dieſes Tages auf die geheiligte Perſon Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs verübten und durch Gottes gnädige Fügung vereitelteten Attentates an. Die Entrüſtung und der Schmerz über dies fluchwürdige Unternehmen waren, wie in unſerer ganzen Stadt, ſo namentlich auch bei Lehrern und Schülern unſerer Anſtalt gerecht und groß: und dieſe Gefühle fanden dadurch ihren na⸗ türlichen Ausdruck, daß die erſte Morgenandacht nach dieſem Mordverſuche(am Montag, den 13. Mai) zu einer Dankfeier für die glückliche Errettung des geliebten Monarchen geſtaltet wurde.


