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antwortete die Mutter:„O ja!“, und der Bund war ge⸗
ſchloſſen.
Der am 16. Dezember 1782, dem 22. Geburtstage
der Mutter, geſchloſſenen Verlobung folgte nach einigen Wochen, am 5. Januar 1783, die Hochzeit.¹) Mehrere Ge⸗ dichte und Briefe des Vaters an ſeine ſchöne Braut zeugen von großer Zartheit der Empfindung und tiefer Neigung. Auch durfte man dieſe Ehe zu den glücklichſten zählen. Der Mutter lebensfroher Sinn und ihr feſtes, ſtets gleich⸗ mäßiges Benehmen eignete ſie vor vielen anderen zu einer paſſenden Lebensgefährtin des Vaters.
Der Kammerrat Müller, mein Großvater, gehörte mit ſeiner Familie zu den ſchlichten, einfachen Menſchen der
Seiten eichene Stühle und jetzigen Gartenbänken ähnlich, und mit buntem Glanzkattun überzogen. Links am Flur lagen die kleinen Zimmer für den Sohn und die Töchter des Hauſes und etwaige Gäſte. In den Kammern für
Sophas, ungefähr unſern mit tüchtig harten Polſtern
letztere befanden ſich hochaufgetürmte Betten, deren ein
Prinz ſich nicht hätte ſchämen dürfen.
Alles im Hauſe,
auch die mit Kupfer⸗, Zinn⸗ und Meſſinggerät reich ge⸗
füllte Küche zeugte nicht von Reichtum, aber von wohl⸗
gehaltenem, aufgeſpartem Eigentum.
So ſah es im großelterlichen Hauſe in Mengering—
V hauſen aus, und die Bewirtung, welche man da fand, glich
guten alten Zeit, welche ſich gegen die Einflüſſe der neuen. r„ de. nicht erinnere anders als im Schlafrock, mit einer weißen
wahren, ſo gut ſie können. Seit längerer Zeit wegen Krank⸗ heit penſioniert, bewohnte er in dem eine kleine halbe Stunde von Arolſen gelegenen Städtchen Mengeringhauſen ein kleines ihm gehöriges Haus, deſſen Beſchreibung ich hier zugleich mit einer Schilderung der Familie verſuchen will.
Die äußere Einfachheit des Hauſes ſtimmte mit der
inneren Einrichtung desſelben genau überein. Rechts vom
Achtung erworben hatte.
Eingange, durch die niedrige Hausthüre führte eine andere Vorſtellungen beginnen, wohl über 70 Jahre alt ſein. Die
Thür in das Wohnzimmer der Großeltern, an welches
ihr Schlafgemach, ein mit grünen Vorhängen verdeckter Alkoven, ſtieß. Zimmer und Alkoven waren äußerſt ſauber gehalten, aber von jeder Zierde entblößt. Im Wohnzimmer,
zwiſchen den glänzend geputzten Fenſtern, hing ein ſchmaler
kleiner Spiegel, unter welchem ein kleiner Tiſch mit einer
bunten wollenen Decke ſtand. Längs der Wand, dem Ein⸗ gang gegenüber, reihten ſich einfache Stühle von Eichenholz, vor welchen ein blankgebohnter Tiſch ſtand, den ſtets eine ſchneeweiße Damaſtſerviette bedeckte. Eine Kommode und ein Schrank, ebenfalls von Eichenholz, und kurze weiße Fenſter⸗ vorhänge vollendeten das Ameublement des niedrigen, weiß getünchten Gemachs. Links von der Hausthür war das Speiſezimmer, an welches eine Vorratskammer und die Küche ſtießen. In erſterem, das ziemlich geräumig war, ſtand am oberen Ende ein kleiner Webeſtuhl, auf welchem das im Hauſe geſponnene feine Garn zu gewiſſen beſtimmten Zeiten im Jahr verarbeitet wurde. In dem oberen Stock des Hauſes befand ſich rechts von der Treppe ein ziemlich langer ſchmaler Saal, wo man außergewöhnliche Gäſte empfing; aber auch hier zeigten ſich nur weiße Wände, die in oft erneuter Auffriſchung die Augen blendeten, kleine Spiegel, ein ſchmaler, länglicher Eßtiſch und zu beiden
¹) In Füßli, Künſtlerlex. II. S. 1896 iſt ſie fälſchlich als Tiſchbeins zweite Frau bezeichnet.
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der äußeren Einrichtung, ſie war einfach und geordnet, aber gaſtfrei und bequem. Der Großvater, den ich mich
Zipfelmütze, die ein grünſeidenes Band ſchmückte, geſehen zu haben, war ein großer, hagerer Mann, tootz ſeiner Kränklichkeit von ungebeugter Haltung und einem ſanften, heiteren Antlitz, das recht bezeichnend die edle, milde Rich⸗ tung ſeines Charakters ausdrückte, der ihm allgemeine Er mochte zu der Zeit, wo meine
Großmutter, wohl 20 Jahre jünger, war von mittlerer Größe, trug ſich ebenſo gerade wie ich es oft an meiner Mutter bewundert habe, und war auch wie dieſe mehr hager als ſtark. Sie hatte wunderſchöne ſchwarze Augen, belebte, aber etwas ſtrenge Züge und wenig Farbe. Ihre Tollette war äußerſt ſauber, aber weit hinter der damaligen Mode Sie trug einen Rock und eine Kartuſche von
dunkelgeblümtem Zitz— ein feineres Zeug als gewöhn⸗
licher Kattun—, eine blendend weiße Schürze von Lein⸗ wand, ein geſtärktes Halstuch kreuzweis über die Taille geſteckt, und eine Backenhaube mit feinen Brabanter Spitzen beſetzt, unter der ihre noch glänzend ſchwarzen Haare un⸗ gepudert und ſchlicht gekämmt ſich zeigten. Mir kam ſie in dieſem Anzug wenn nicht hübſch, doch ſehr ehrwürdig vor. Das Hausregiment führte ſie gerecht, aber ſcharf, indem ſie ſelbſt mit dem Beiſpiel unnachlaſſender Thätigkeit und Pünktlichkeit denen voranging, von denen ſie dasſelbe forderte. Die noch unverheiratete Tante Antoinette oder Nette, wie ſie genannt wurde, war ein munteres junges Mädchen von beſonders zierlichem Wuchs, ſchönen Zähnen und unerſchöpflich guter Laune. Flink und fleißig bewegte ſie ſich den Tag über rüſtig umher, den Abend aber ſpann ſie, und zwar ein Fädchen, ſo fein wie die guten Feen im Märchen. Noch muß ich des ebenfalls unverheirateten Oheims erwähnen, der im Hauſe wohnte. Onkel Auguſt war ein hübſcher, ernſt blickender, ſehr ſanfter Mann von


