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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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1 6 §. 3.. Von den aufkommenden Zinſen des Stiftungskapitals ſollen zunächſt halbjährlich 25 Mark zum Kapital geſchlagen werden, und hiermit ſoll ſo lange fortgefahren werden, bis dasſelbe den Beſtimmungen des§ 2 entſprechend auf 6000 Mark angewachſen ſein wird. 9 4

Der übrige Zinſenertrag, abzüglich der im§ 1 für den Rechnungsführer vorgeſehenen Vergütung, ſoll zu Geld⸗ geſchenken(Stipendien) an begabte, fleißige, brave und wirklich bedürftige Schüler des Friedrichs⸗Gymnaſiums ohne Unter⸗ ſchied der Religion und der Herkunft verwendet werden.

Die Zuwendung und Auszahlung dieſer Geldgeſchenke ſoll teils unmittelbar vor dem Beginn der großen Ferien, teils unmittelbar vor Chriſttag ſtattfinden.

Bei der Zuwendung im Sommer ſollen vorzugsweiſe ſolche Schüler berückſichtigt werden, welche nicht nur den oben geſtellten Bedingungen genügen, ſondern deren Geſundheitsverhältniſſe eine mit beſonderen Koſten verbundene Kur(Bade⸗ reiſe, Landaufenthalt oder dgl.) erwünſcht erſcheinen laſſen.

§. 5.

Das Stipendium ſoll in der Regel in einer Höhe n 100 Mark oder mehr vor dem Beginn der Sommerferien an einen Schüler(ſ.§ 4), welcher der Kräftigung der Geſundheit bedarf, zwecks einer Bade⸗ oder Erholungsreiſe oder zum Aufenthalte auf dem Lande verliehen werden. Zu Weihnachten ſoll der noch übrige Teil zu Geſchenken an einen oder mehrere Schüler(ſ.§ 4) verwendet werden.

§. 6.

Die Verleihung von Stipendien aus dieſer gunnen bleibt dem Dr. Gideon Vogt für die Zeit ſeines Lebens vorbehalten.

Demſelben werden die Bewerbungen und Anträge, letztere von ſeiten der betreffenden Klaſſenlehrer geſtellt, mit dem Gutachten der Lehrerkonferenz darüber, ob und in wie weit die betreffenden Schüler den in§ 4 geſtellten Bedingungen genügen, von dem Direktor des Friedrichs⸗Gymnaſiums zur endgültigen Beſchlußfaſſung vorgelegt.

Nach dem Tode des Dr. Gideon Vogt hat die Konferenz aller definitiv angeſtellten Lehrer des Friedrichs⸗Gymnaſiums endgültig über die Verleihung eines Stipendiums durch einfache Stimmenmehrheit zu beſchließen.

Zur Gültigkeit eines diesbezüglichen Beſchluſſes iſt erforderlich, daß mehr als die Hälfte der nach Vorſtehendem als ſtimmberechtigt zur Konferenz ordnungsmäßig berufenen Lehrer an der Abſtimmung teilgenommen haben.

An Stelle des Direktors Dr. Vogt trat mit dem Beginn des Sommerhalbjahres als Leiter der Anſtalt der unterzeichnete Direktor Dr. Friedrich Heußner, bisher ſeit Begründung des hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſiums Oſtern 1886 Direktor dieſes Gymnaſiums. Rückſicht auf ſeine Geſundheit hatte ihn veranlaßt zu dem Geſuche, ihm ſtatt der Leitung des großen Wilhelms⸗Gymnaſiums das Direktoriat des um die Hälfte kleineren Friedrichs⸗Gymnaſiums zu übertragen, und dieſer Wunſch wurde ihm von den vorgeſetzten Behörden in huldvoller Weiſe gewährt. So kehrte er denn an die Anſtalt zurück, an der er früher ſchon 13 ½ Jahr als Lehrer gewirkt hatte, und wo es ihm vergönnt geweſen war, zu den Lehrern des damaligen Prinzen Wilhelm, unſeres jetzigen Kaiſers, zu zählen. Über ſein Leben und ſeine litterariſche Thätigkeit gibt zum Teil der Jahresbericht des hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſiums von Oſtern 1887 Auskunft. Hinzuzufügen iſt noch, daß er, abgeſehen von weiteren Veröffentlichungen in denLehr⸗ proben und Lehrgängen und in der ZeitſchriftGymnaſium, in dem genannten Oſterprogramme ſeine Antrittsrede bei Eröffnung des Wilhelms⸗Gymnaſiums Oſtern 1886 und eine pädagogiſche Abhandlung überFreytags Ingo und Ingraban im Unterrichte der Prima in dem Oſterprogramm 1892 zum Abdruck brachte. Bei Gelegenheit der Anweſenheit Sr. Majeſtät des Kaiſers in unſerer Stadt am 13. September 1891 wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Klaſſe verliehen, nach ſeinem Scheiden vom hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium, wo er die beiden Söhne Sr. Kgl. Hoheit des Erbgroßherzogs von Sachſen⸗Weimar zu ſeinen Schülern hatte zählen dürfen, das Ritterkreuz erſter Abteilung des Sächſiſchen Hausordens der Wachſamkeit oder vom weißen Falken.

Am Dienſtag, den 11. April, 9 Uhr morgens wurde er durch Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Lahmeyer vor verſammelten Lehrern und Schüleen der Anſtalt in ſein neues Amt eingeführt. Dieſer Feier wohnte auch der neuernannte Direktor des Wilhelms⸗Gymnaſiums, Prof. Dr. Muff, bei.