II.
Ueber einige der hauptſächlichſten Feinde wahren Fortſchritts in unſerer Zeit.
Als eins der charakteriſtiſchen Merkmale unſerer Zeit im Vergleich mit früheren Perioden der Weltgeſchichte pflegt man ge⸗ wöhnlich den unendlichen Fortſchritt zu bezeichnen, der jetzt auf allen Gebieten menſchlicher Kunſt und Wißenſchaft, wie nach allen Richtungen des Lebens hin täglich von Neuem unſer Staunen erregen müße. Alles, was früher dageweſen und für irgend bedeutend gegolten hat, iſt von der Neuzeit, meint man, weit überflügelt worden und kann gegenüber den großen Leiſtungen der Gegenwart faſt in gar keinen Betracht mehr kommen.
Sieht man indeſſen dieſen überall verbreiteten Lobeser⸗ hebungen etwas näher ins Angeſicht und nimmt dergleichen ſelbſt⸗ zufriedene Aeußerungen über den außerordentlichen Höhenſtand unſerer Cultur nicht ſo ohne weiteres leichten Kaufes dahin, ſo drängen ſich uns doch gar bald mancherlei Bedenken wider die Warheit dieſer Behauptung auf. Es kann uns nämlich, ſo wir uns nur nicht gleich in die Allerweltsmeinungen gefangen geben, ſondern in redlicher, aufrichtiger Prüfung ruhig und warheits⸗ liebend die Dinge betrachten, wie ſie ſind, unmöglich entgehen, daß man bald den wirklichen, auf einigen beſtimmten Gebieten des Lebens an ſich nicht zu beſtreitenden Fortſchritt ungebürlich übertreibt, bald(was noch ſchlimmer iſt) den in einzelnen Dingen ſichtbaren Fortſchritt, faſt möchte man ſagen, naiver Weiſe


