Ereigniſſen des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges nach außen wie nach innen mannigfach berührt worden iſt, bedarf hier wol kaum der Erinnerung. Die großen Erlebniſſe dieſer Zeit werden in aller Herzen un⸗ vergeßlich bleiben.
Durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 22. April 1870 wurde die dem dritten Pfarrer an der hieſigen Marienkirche Rudolf Julius Neuber am 22. März 1869 ertheilte Beauftragung mit Aushülfeleiſtung für den Unterricht in der Religion und im Hebräiſchen*) wieder zurückgezogen.
An Stelle des Pfarrers Neuber wurde nach Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 16. Mai 1870 der dritte Pfarrer an der hieſigen Johanniskirche Wilhelm Friedrich Zimmer⸗ mann nmit Ertheilung von Religionsunterricht beauftragt. Derſelbe übernahm vom 11. Juni 1870 an auch den Unterricht in der hebräiſchen Sprache.
Wilhelm Friedrich Zimmmermann iſt geboren zu Hanau am 9. November 1825, beſuchte von
Oſtern 1837 bis Michaelis 1843 das Gymnaſium zu Hanau und ſtudierte bis Michaelis 1846 zu Marburg Theologie
und Philologie. Im Herbſt 1846 beſtand er zu Marburg das theologiſche Facultätsexamen, darauf in Hanau das
ſog. Tentamen vor dem Superintendenten und im Sommer 1850, nachdem er in der Zwiſchenzeit einige Hauslehrer⸗ ſtellen begleitet hatte, das Examen pro ministerio. Durch allerhöchſtes Reſcript vom 7 Juni 1850 wurde ihm die
Pfarrei der franzöſiſchen Colonie Louiſendorf übertragen. Von dieſer Stelle wurde er am 1. April 18 70 als dritter
Pfarrer an die Johanniskirche zu Hanau verſetzt⸗
Zu der Feier des dreihundertjährigen Jubiläums des Gymnaſiums zu Hersfeld am 2. Juli 1870 überreichte der Unterzeichnete perſönlich die Gratulationsſchrift des hieſigen Gymnaſiums.**)
Die Sommerferien währten vom 4. bis zum 25. Juli.
Am 19. Juli 1870 erließ der Herr Miniſter der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegen⸗ heiten nachſtehende Circular⸗Verfügung:
„Von mehreren Seiten iſtzmir der dringende Wunſch zu erkennen gegeben, daß denjenigen der Prima im vierten Semeſter angehörenden Gymnaſiaſten, welche in Folge der gegenwärtig angeordneten Mobilmachung der
Armee in letztere eintreten wollen oder müßen, die Möglichkeit gewährt werde, vorher noch die Abiturientenprüfung
zu abſolviren. Demzufolge, ſo wie mit beſonderer Rückſicht auf die gegenwärtigen außerordentlichen Umſtände, welche
den ſchleunigſten Eintritt unſerer kampffähigen und kampfluſtigen Jünglinge in das Heer wünſchenswerth erſcheinen laßen, fordere ich die Königlichen Provinzial⸗Schulkollegien hiermit auf, Angeſichts dieſes die Directoren ſämmtlicher
Gymnaſien und Realſchulen ihres Reſſorts anzuweiſen, mit den Primanern der Eingangs bezeichneten Kategorie,
welche ſich entweder über ihre Verpflichtung zum Eintritt in die Armee durch die bezüglichen Militärpapiere aus⸗
⸗
*) Vgl. Programm des hieſigen Gymnaſiums von 1870. S. 54.
=) O0. B. F. P. S. IIlustri Gymnasio Hersfeldensi à Michaele Abbate viro summae sanctitatis atque humanitatis laude insigni ante hos trecentos annos condito de vera religione et pietate Christiana conservanda de inventute caritate Dei liberalibusque artibus imbuenda per tria secula usque ad hunc diem meritissimo optimeque merenti sacra saecularia tertia a. d. IV Non. Jul. a. MDCCCLXX rite celebranda ea qua par est pietate gratulantur vota pro eius incolumitate salute prosperitate perrenni pie nuncupata testantur Gymnasii Hanoviensis collegae. Q. D. T. O. M. B. V.


