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2 (1871)
Entstehung
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J. Von der wahren und falſchen Energie.

Es gehört mit zu den wunderbaren Wegen der Weltregierung Gottes, beides das Gute wie das Böſe im Laufe der Zeiten miteinander ausreifen zu laßen. Als zu dem Hausvater, auf deſſen Acker der böſe Feind Unkraut zwiſchen den Weizen geſäet hatte, die dienſtbereiten Knechte mit der Frage herantraten: willſt du, daß wir hingehen und den Unkrantſamen ausjäten, wird ihnen die Antwort zu Teil:nicht alſo, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mitausraufet, ſo ihr das Unkraut ausjätet, laßet beides mit ein⸗ ander wachſen bis zur Ernte und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern ſagen: ſammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündel, daß man es verbrenne, aber den Weizen ſammelt mir in meine Scheunen. Damit iſt, wenn auch nur im Allgemeinen, doch ſehr klar und beſtimmt der in der Weltgeſchichte waltende Entwicklungsgang bezeichnet die volle Entfaltung des guten, wie des böſen Samens; zugleich aber allerdings auch die endliche Entſcheidung über beides angegeben die Verbrennung des Unkrauts d. h. des Böſen und Nichtigen durch die Flammen des Todes, und die Aufbewahrung des Weizens d. h. des Guten und allein Lebendigen zu unvergänglicher ewiger Fortdauer. Hin und wieder freilich will es ſcheinen, als ob dieſer eben angegebene Entwickelungsgang durch Gottes gewaltigen Arm unterbrochen würde und es iſt dieß auch in der That der Fall. Sowol im großen Ganzen der Geſchichte der Menſchheit überhaupt, als im Völker⸗ und Familienleben insbeſondere tritt es klar vor Augen, daß der Strom der Sünde uno des Verderbens, wenn er einmal ſehr hoch geht und ſeine Fluten alle Dämme zu durchbrechen drohen, mit einem Male durch eine höhere Hand gehemmt wird und vor dem Allmachtsrufe des Herrn: bis hierher und nicht weiter zurücktritt. Als in den älteſten Zeiten der Menſchheit das Leben aus Gott nur noch eine kleine Stätte fand auf Erden, während faſt überall, ſoweit menſchliche Sprache und Sitte reichte, das gottentfremdete Weltleben immer ungehinderter ſich ausbreitete, immer trotziger und zügelloſer auftrat, da wehrte Gottes Arm ſelbſt dieſem mächtig wachſenden Strome, der auch das letzte Bollwerk des Glaubens zu verſchlingen drohte, bekanntlich damit, daß Er nach Seiner treuen und gerechten Aufſicht über die nach Seinem Bilde geſchaffene Perſonenwelt, alle, die wider Gottes Ordnungen anſtrebten, hinwegnahm, um die eine noch übrig gebliebene gottgetreue Gemeinſchaft zu retten und ſo wenigſtens einen geſunden Kern zu erhalten, aus dem ein neues Geſchlecht ſich entwickeln, ein neuer Anfang hervor⸗ gehen könnte. Oder, als Israel über ſeinen Herrn das Kreuzige! Kreuzige! gerufen und damit ſeinen eigenen gottgegebenen Beruf in grauenvoller Verblendung verleugnet hatte: da zerbrach Gottes gewaltige Hand, als auch die letzte Guadenfriſt verſtrichen, das Gefäß, das fortan nicht mehr Träger der Offen⸗ varung ſein konnte, um nunmehr andere Volker zu dein Heil aus Zion herbeizurufen. Und als andererſeits auch die klaſſiſchen Völker des Altertums, als Griechen und Römer, ſoweit ſie ſich nicht vom Evangelium

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