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1 (1856)
Entstehung
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Zu diesen stummen Zeugen seines Wahnsinns sollen ihn lieber seine Genoszen statt ihm die einzige Zufluchtsstätte, die ihm noch übrig bleibt, zu gewähren, gleich hinzuschlachten, dasz er auch da liege, wie die blutigen Thierleiber. Dann efst tritt natürlich als weiteres Moment des Fluchs die Ehrlosigkeit der That und der Hohn ein, der ihn ob der gewaltigen Heldenthat, am wehrlosen Beutevieh der Hellenen verübt, von den Atriden, von Odysseus und dem gesamten Heere treſfen wird. Also auch hier: die That ist geschehen; dasz Ajas wieder zur Besinnung kommt und das wahnsinnige Werk bereut, nimmt der That selbst an ihrer Schrecklichkeit nichts;) das Licht des Tages ist für ihn Nacht, die Nacht der Unterwelt sein Licht;²) der Stachel dieser unglücklichen That in ihrer ganzen Bedeutung mit allen ihren Folgen, die zu ihr gehören, drückt sich so tief in seine Seele, dasz ihm kein anderer Ausweg als der Selbstmord bleibt; mit Ehren leben ist nicht mehr möglich, so bleibt nur noch übrig mit Ehren sterben.) Daran vermag weder der Tekmessa Klagen, noch die Sorge um des geliebten Rindes vaterlose Zukunft etwas zu ändern; und ob sich schon der Chor durch die wunderbar rätselhafte Rede des Ajas teuschen läszt, als könne nun durch die Sinnesänderung seines Herren in Zukunft wieder Alles gut gemacht werden für Ajas selbst ist der Fluch der That in seiner fortwirkenden, unabänderlichen Gewalt so stark, dasz sein Auge keinen anderen Rettungshafen mehr erblickt, als sich ohne Zucken und mit raschem Sprung in das unheilvolle Schwert zu stürzen. 9)

Blicken wir nun noch einmal zurück, so ist es also sowol bei Oedipus, als hei Rreon, Ajas und, Deianira trotz der Verschiedenheit im Einzelnen die That an sich, deren Fluch sich an dem Thäter geltend macht; und die Stärke der Fluchempfindung wird dabei durch die Stärke der Sündenthat bedingt. Die Sündenthaten des Königs Oedi pus sind an und für sich die grösten Greuel, die auf dem Gebiete menschlicher Missethat gedacht werden können; daher ist hier die Fluchempfindung und deren Ausdruck am stärksten. Rreon in der Antigone ist in den Kreisz der schrecklichsten Verbrechen hineingezogen, und wenn er auch nicht selbst unmittelbar Hand angelegt, wie Oedipus, so liegt doch der Verwandten- mord, der Selbstmord seines Rindes, wie seiner Gattin auf seiner Seele; daher ist hier

1) Aj. 578 oddoενιτν όυν ταηέ νν ευμι ⁶μ˙ς ⁊ευενν.

2) Aj. 594τοσ ενιόν σἀ⁴os.

5) Aj. 479 f. 22* ½α‿‿ς ην αeς εευννεναι ννede Tor. la Beziehung auf den Selbst- mord zeigt sich bekanntlich bei den Griechen, wie bei den Römern eine völlige Abschwächung des sittlichen Bewusztseins; ihnen gilt der Selbstmord unter Umständen nicht nur als erlaubt, sondern geradezu als geboten: vetus est, ubi non sis qui fueris, non esse cur velis vivere(Cie. ad Fam. VIII. 5), während wir darin die bittere Frucht des Abfalls von Gott und der ebenso widergöttlichen als feigen Desperation zu erkennen haben.

4) Aj. 853 G‿eσςμςμφαςστς ναά αeꝛπ⁊χᷣα ονπυ⁶eενέασε.