Kirchengeschichte des Mittelalters.
I. Periode. Vom Tode Karls d. Gr. bis auf Bonifaz VIII.
(800— 1294.)
§. 12. Misston.
Der Apostel des Nordens war Ansgar(Anschar, Speer Gottes), geboren 801 bei Amiens, aus vornehmem fränkischen Geschlecht. Nach dem frühen Tode seiner Mutter wurde er im Kloster Corbie in der Picardie zum Dienst der Kirche ausgebildet, dann in das neugegründete Kloster Corvey an der Weser versetzt. Eine Vision(»Gehe hin und kehre zurück zu mir mit der Krone des Märtyrerthums«) befestigte ihn in seinem von Jugend auf gehegten Vorsatz, sich der Mission zu widmen. Mit Unterstützung Ludwigs des Frommen wirkte er zuerst in Schleswig(Südjütland), dessen Fürst sich am Hofe Ludwigs hatte taufen lassen. Die Bitten schwedischer Kaufleute um Missionare veranlassten den Frankenfürsten, Ansgar nach Schweden zu senden(830), und der dänische König empfahl ihn dem dortigen Herrscher mit den Worten, er habe noch nie einen so milden und guten Mann gekannt. Unterwegs wurde Ansgar von Seeräubern ausgeplündert, verlor aber den Muth nicht. In Schweden wurde er vom König gut aufgenommen und gründete eine kleine Gemeinde. Bald kehrte er zu Ludwig dem Frommen zurück; dieser stiftete das Erzbisthum Hamburg und übertrug es Ansgar, der in seiner Klosterschule nationale Missionare für den Norden auszubilden begann. Aber Hamburg war stets den Angriffen der benachbarten Heiden ausgesetzt und wurde endlich von den Normannen völlig zerstört. Nach dem Vertrag von Verdun entzog ihm Karl der Kahle sein Einkommen aus einem westfränkischen Kloster; so war er ein Bettler. Sobald er später Bremen als erzbischöflichen Sitz erhalten hatte, widmete er sich wieder mit allem Eifer der Mission unter den Normannen, sandte Priester aus, legte Kirchen und Schulen an und machte selbst noch eine Missionsreise nach Schweden; um seine Einkünfte ganz für die Mission verwenden zu können, lebte er nur von Wasser und Brot. Unter frommen Betrachtungen, Gebet, Almosengeben verlebte er seine letzten Lebensjahre in Bremen, † 865. Seine Schüler setzten sein Werk eifrig fort, aber noch anderthalb Jahrhundert verflossen bis zur völligen Bekehrung des Nordens.
In Dänemark verhalf Knut d. Gr.(1016— 1035), der durch seine angelsächsische Gemahlin bekehrt war, dem Christenthum zum Sieg; er zog aus England, das zu seinem Reich gehörte, Geistliche in das Land und erbaute Kirchen und Klöster. Fünfzig Jahre später wurde auch Schweden, wo deutsche und an gelsächsische Missionare wirkten, vollends christianisiert. In Norwegen suchten um 1000 mehrere christliche Könige das Christenthum mit Gewalt einzuführen; so Olaf d. Dicke, der in einer Schlacht gegen Knut d. Gr. fiel, später vom Volk als Heiliger verehrt wurde. Olafs Sohn(Magnus)


