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die Einnahme von Paris noch mit Johannas täglichem Drängen zur That in Einklang zu ſtehenés; allerdings würden die Richter, wenn Johanna eingeſtanden hätte, im Auftrage oder nur mit Genehmigung der Stimmen gehandelt zu haben, aus doppelten Gründen Errochtigt geweſen ſein, die Heiligen für böſe Geiſter zu erklären. Denn nicht bloß war der 8. September, wie geſagt, ein hoher Feſttag, ſondern auch der Erfolg des Unternehmens ein unglücklicher. Schon der erſtere Umſtand aber macht es uns im höͤchſten Grade wahrſcheinlich, daß Johanna den Rath, am 8. September Paris anzugreifen, nicht gegeben hat. Es war der Jungfrau ſicherlich Ernſt mit der Antwort, die ſie den Richtern auf die Frage ertheilte, ob es recht geweſen ſei, am Feſt⸗ tage Mariä Geburt Paris zu ſtürmen:„Es iſt wohlgethan, die Feſte unſerer lieben Frau zu halten und zwar, wie es mir im Gewißen ſcheint, von einem Ende bis zum andern(von An⸗ fang bis zu Ende). 67 Wie konnten ihr alſo die Heiligen, mögen wir ſie als Engel Gottes oder als die Geſtalt gewordene innere Stimme der Jungfrau auffaßen, einen widerſprechenden Rath ertheilen? Mit einem Worte: So gewis die Eroberung von Paris der Jungfrau durch die Stimme der Heiligen als Aufgabe geſtellt war, ſo wenig beſafßt ſie
erade für den Marienfeſttag die himmliſche Gewähr und Verbürgung des Velingens, und weil ſie dieſelbe nicht hatte, deshalb iſt der Entſchluß, den Verſuch auf Paris gleich am 8. September auszuführen, nicht von ihr ausgegangen. Wenn Johanna ſich gleichwohl erbitten ließ, den Sturm alsbald zu wagen, ſo mochte ſie ſich damit entſchuldigen*), daß das Werk an ſich von Gott geboten, daß es alſo eine heilige Sache war, die ſie an dem heiligen Tage vollbringen ſolltess. Wir greifen ſicherlich nicht fehl, wenn wir unter den Feld⸗ herrn vorzugsweiſe den Herzog von Alençon, dem des Königs Unthätigkeit ebenſo unerträglich geworden war, wie der Jungfrau, für den fraglichen Beſchluß verantwortlich machen. Gut ge⸗ meint, aber ein ſtarker Fehler! Hatte ſich der König bisher durch ſeine Saumſeligkeit auf's ſchwerſte verſchuldet, ſo verfiel man nunmehr durch Ueberſtürzung des Unternehmens in die ent⸗ gegengeſetzte Verkehrtheit!
So brachen denn am Geburtsfeſte der Marias, Donnerſtag den 8. September, gegen acht Uhr Morgens*0, die Generale mit Johanna von La Chapelle auf und kamen etwa um zehn Uhrn vor Paris auf dem marché aux pourceaux(Schweinemarkt) an, welcher ſich der⸗ zeit zwiſchen dem Hügel Saint-⸗Roch oder des Moulins und dem Thore Saint-⸗Honoré in weitem Raume ausdehnte. Hier nahm das Heer, welches zu zwölftauſend Mann angegeben wird, eine geordnete Stellung. Zwiſchen elf und zwölf Uhr theilte ſich daſſelbe in zwei Theile. Die Vorhut wurde von Johanna, dem Marſchall von Rais und dem Herrn von Gaucvurt nach dem Thore Saint-Honoré geführt. Die Hauptarmee, unter dem Herzog von Alencon, legte ſich hinter dem Hügel Saint⸗Roch, welcher damals eine ziemliche Höhe hatte, in Hinterhalt, um die Kämpfer vor dem Thore Saint⸗Honoré gegen einen Ueberfall zu ſchützen, den die Englän⸗ der und Burgunder durch das Thor Saint⸗Denis hin hätten ausführen kͤnnen. Die wenigen Stücke groben Geſchützes, welche die Franzoſen beſaßen, wurden auf der Höhe aufgepflanzt, von wo ſie nach verſchiedenen Richtungen hinwirkten und ihre Kugeln oft in Paris gabſ einſchlu⸗ gen:². Hier waren inzwiſchen die Burgunder und Engländer ſowie die Bürgerwehrleute unter die Waffen getreten, und die Franzoſen ſahen die feindlichen Scharen mit ihren Bannern, unter denen ein weißes mit rothem Kreuz durch ſeine Größe beſonders hervorſtach, ſich längs der Mauer innerhalb der Stadt hin und herbewegen. 1.
Die Frage, ob der König Karl an dieſem verhängnisvollen Tage beim Heere vor Paris
*) Mit Recht? Wir laßen dieſe Frage für jetzt auf ſich beruhen und bemerken nur, daß auf jeden Fall eine mehr als gewöhnliche Kraft der Selbſtentäußerung dazu gehört, eine Sache, die man nach Gottes Willen ſeit langer Zeit mit glühendem Verlangen erſtrebt hat, ohne weiteres von der Hand 5 weiſen, wenn dieſelbe endlich geboten wird. Eine Entſchuldigung iſt freilich noch keine Recht⸗ ertigung. 11


