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wärtigen Feldzuge der Wille des Königs und ſeiner Räthe der jungfräulichen Heldin überall Feßeln anlegtess. b
Bethfords Rückkehr nach Paris, durch beunruhigende Nachrichten aus der Normandie, vielleicht auch durch die Stimmung der Haupiſtadt ſelbſt veranlaßt, machte dem König freie Bahn, ſeine Abſichten auf Senlis zu verwirklichen. Am 17. Auguſt ſandte er von Crépy den Grafen von Vendoôme ſowie die Marſchälle von Sainte-Sévère und von Rais mit einer Ab⸗ theilung des Heeres nach Senlis. Ohne Zögern übergaben die Bewohner die Stadt„dem König und der Jungfrau“„ſowohl in Betracht der großen Eroberungen, welche der König in kurzer Friſt mit Gottes Beiſtand durch die Jungfrau gemacht, als in Berückſichtigung des Um⸗ ſtandes, daß der Herzog von Bethford nicht gewagt habe, dem König eine Schlacht zu liefern.“ Der Graf von Vendôme verblieb als Statthalter in Senlisst.
Am 18. Auguſt hielt Karl ſeinen Einzug in die Stadt Compioͤgne, welche ihm Tags zuvor ihre Schlüßel hatte überreichen laßen. Unter grenzenloſem Jubel ſtieg er vor den Stufen des königlichen Schloßes abss. 3
Kaum hatten die Bürger von Beauvais davon Kunde erhalten, ſo trugen ſie dem Koͤnig ihre Huldigung nach Compisgne eutgegen, alles Widerſpruches ungeachtet, den ihr Biſchof Peter Cauchon und andere Gleichgeſinnte dagegen erhoben. Allen dieſen Widerſachern Karls Ueß das Volk nur die Wahl, entweder dem König ſich zu unterwerfen oder mit Hab' und Gut ſich aus der Stadt zu entfernen. Peter Cauchon ging mit dem Stachel der Bosheit in der Seele. Denn erlaubte man ihm auch, alles mit ſich zu nehmen, ſein Bisthum mußte er doch im Stiche laßen. Johanna hat ihm für dieſe Einbuße mit dem Leben gezahltss.
Auch die Geiſtlichkeit und die Bürgerſchaft von Senlis verſäumte nicht, durch eine Ge⸗ ſandtſchaft nach Compiègne dem Könige perſönlich ihre Ergebenheit auszudrücken und ihn ſammt der Armee in ihre Mauern einzuladens.—
Solche Erfolge, täglich durch neue vermehrt, hätten ebenſo, wie ſämmtliche Erlebniſſe ſeit der Umkehr von Bray, für den König die hellſten Thatbeweiſe ſein müßen, daß ſeine und ſeiner Räthe Gedanken vom Uebel, dagegen Johaunas Rath Gottes Wille ſei. In Compisgne ſollte ihm die Albernheit und Verderblichkeit ſeiner ganzen Politik noch deutlicher vor die Augen ge⸗ rückt werden. Der vierzehntägige Waffenſtillſtand lief zu Ende. Von„der friedlichen Aus⸗ lieferung der Stadt Paris“ aber war keine Rede, die Wortbrüchigkeit des Herzogs von Bur⸗
und alſo mit Händen zu greifen. Nichts hatte er gewollt, als den König von dem Schauplatze feiner Triumphe weglocken, auf den ihn Gott durch Johannas Mund gerufen, oder mindeſtens Zeit und damit alles gewinnen. Das war„der Misbrauch des königlichen Blutes“, den Jo⸗ hanna in ihrem Brieſe nach Reims vorausgeſagt hatte. Auch ſie wünſchte den Frieden mit Burgund, aber nicht einen Frieden um jeden, ſelbſt um der Ehre Preis. Sie forderte, daß der trotzige Vaſall ſich um Gotteswillen vor der Oberherrlichkeit ſeines königlichen Lehnsherrn beuge. Einen aufrichtigen Frieden ſuchte ſie auf dem Boden des göttlichen Rechtes und als Grundbe⸗ dingung deſſelben,„daß Philipp nicht ferner wider das heilige Königsland im Streite ſtehe, ſondern ſeine Leute auf der Stelle und ohne Verzug aus den Städten und Burgen des heiligen Reiches abrufe*)“. Widrigenfalls glaubte ſie ſich verpflichtet, für das heilige Recht mit heiliger Energie in die Schranken zu treten. Ein Greuel war es für ſie, franzöſiſches Blut von Fran⸗ zoſenhänden vergießen, ein Hohn auf den Waffenſtillſtand, die burſun ijchen Truppen überall an der Seite der Engländer fechten zu ſehen. Ein Kind durchſchaute die Lüge, nur Karl lernte
nichts, weil er nichts vergaß. Nach wie vor machte er ſich zum Narren burgundiſcher Trug⸗ liſt. Ohne einen entgegenkommenden Schritt des Herzogs abzuwarten, beauftragte er kurz vor ſeinem Einzug in Compiègne ſeinen Kanzler Reinhold von Chartres, ſeinen Beichtvater Chri⸗
ſtoph von Harcourt, die Herren von Dampierre, von Fontaines und von Gaucourt mit einer
*) Siehe den Brief, welchen Johanna von Reims an den Herzog geſchrieben.


