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Daß den Richtern die Sache ſelbſt unbekannt geblieben wäre, auf dieſen Einwand könnte nur derjenige verfallen, der nie einen Blick in die Acten gethan hätte und nicht wüßte, wie bis in's Kleinſte unterrichtet Johannas Gegner über alles waren, was auch nur von ferne einen Schatten auf ſie zu werfen ſchien, oder woraus ſich ein Strick zu ihrem Verderben drehen ließ.
Wie aber, könnte man ſagen, wenn Johanna zwar nicht gegen ihrer Heiligen aus⸗ drückliches Verbot, wohl aber ohne deren Gebot oder mindeſtens Genehmigung unter den Waffen geblieben wäre? Auch das wäre eine, wenn gleich nicht ſo grobe, doch keineswegs zu rechtfertigende Ueberſchreitung ihres Berufes geweſen. Daß dem nicht ſo iſt, dafür bürgt uns abermals der Umſtand, daß die Richter nicht die entfernteſte Ahnung davon gehabt haben. Oder dürfen wir ihnen etwa die greuzenloſe Dummheit zutrauen, daß ſie in den Verhören dieſen entſcheidenden Punct gänzlich außer Acht gelaßen hätten? Was würde es doch der Jung⸗ frau geholfen haben, wenn ſie für ihren heiligen Beruf, Orleans zu befreien und den König zu krönen, ſelbſt die Engel des Himmels hätte als Zeugen vorführen können, ſofern ihr die göͤtt⸗ liche Zuſtimmung und Vollmacht gefehlt hätte, über Reims hinaus ihre kriegeriſche Thätigkeit fortzuſetzen? Häͤtten die Richter, um Johanna zu verderben, mehr gebraucht, als ein ſolches Eingeſtändnis? Würden ſie nicht nach den Zeitbegriffen befugt geweſen ſein, die ganze Fluth von Beſchuldigungen und Anklagen, womit ſie ungerechter Weiſe Johannas Leben überſchüttet haben, mit vollſtem Rechte über die zweite und der Zeit nach größte Periode ihrer öffentlichen Thätigkeit auszugießen? Des Königs Wille, daß ſie bleibe, hätte ſie nicht von den Todſünden der Männertracht, des Blutvergießens, des lugeriſcheß Vorgebens göttlicher Offenbarungen be⸗ freitez. Und wie hätte die Jungfrau ſich entblöden dürfen, nicht einmal, nein bei jeder Ge⸗ legenheit zu ſagen 28:„Ich habe nichts gethan außer durch Offenbarung; alles, was ich ge⸗ than, habe ich nach Gottes Vorſchrift gethan,“ wenn ſie nach Vollendung deſſen, wozu ſie allein geſendet worden, eigenmächtig auf der Bahn der Kriegerin geblieben wäre? Wie hätte ſie noch vor Saint-Pierre-Le-Mouſtier glauben können, von den himmliſchen Heerſcharen umgeben zu ſein, wenn ſie ohne Ermächtigung der Himmliſchen vor der Feſte geſtanden hätte? Davon ganz zu geſchweigen, daß ſich von einer Unterbrechung des Verkehrs mit ihren Heiligen nirgends eine Andeutung findet. Allerdings beſchränkt ſie ſpäter das Wort alles in jenem Ausſpruch durch den Zuſatz(alles)„Gute“, aber daß ſie mit dieſem Zuſatz ihre ſämmtlichen Thaten ſeit der Krönung Karls VII aus der Reihe der guten, kraft goͤttlichen Auftrags vollbrachten tilgen und damit den Ausſpruch ſelbſt zu einer ſcham⸗ und gewißenloſen Lüge ſtempeln wolle, daran haben nicht einmal ihre erbitterſten Feinde, die Richter, gedacht, ſondern nur zu den Fragen Anhalt gefunden, ob ſie gut oder übel gethan habe, Paris und La Charité anzugreifen²s.
Nach allem dem glauben wir unwiderlegbar dargethan zu haben, daß Johanna die Krö⸗ nung ihres Königs nicht als das Ende, ſondern als den Mittelpunct ihrer Miſſion gedacht hat.


