Druckschrift 
5 (1863)
Entstehung
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Ankunft eines ſo edlen Königs. Wäre ich doch ſo glücklich, in dieſer Erde begraben zu werden, wenn meine Tage zu Ende ſind.An welchem Orte, fragte darauf der Erzbiſchof,habt Ihr die Hoffnung zu ſterben?Wo Gott will, antwortete Johanna,denn ich weiß von der Zeit und dem Orte nicht mehr, als ihr. Möchte es Gott, meinem Schöpfer, gefallen, daß ich nun⸗ mehr meine Waffen ablegte und zu meinem Vater und zu meiner Mutter zurückkehrte, ihnen zu dienen und ihre Schafe zu weiden mit der Schweſter und meinen Brüdern, die ſich ſehr freuen würden, mich wiederzuſehen.*)

So berichtet Graf Dunois. Die Chronik der Jungfrau und nach dieſer das Tagebuch der Be⸗ lagerung von Orleans geben die Stelle mit folgender Veränderung wieder:Der Graf fragte Johanna: Wißet ihr, wann ihr ſterben werdet nud an welchem Orte? Sieantwortete darauf: Nein, es ſtehe das in Gottes Willen, und ſagte weiter zu dem Grafen und den andern Herrn:Ich habe den Auftrag erfüllt, den mein Herr(Messire, Gott) mir gegeben hatte, welcher darin beſtand, die Belagerung von Orleans aufzuheben und den König krö⸗ nen zu laßen. Ich wünſchte, es gefiele ihm, mich zu meinem Vater und meiner Mutter zurückzuſchicken u. ſ. w.². Der hervorgehobene Satz iſt von den Chroniſten, welche das Ver⸗ bindungsglied in der Gedankenfolge Johannas nicht ſahen und den Schlußworten derſelben eine ſchiefe Deutung gaben, lediglich nach eignem Ermeßen und zu dem Zwecke eingeſchoben worden, den Wunſch der Jungfrau anſchaulicher zu begründen. Auf geſchichtliche Gültigkeit hat demnach jener Mittelſatz keinerlei Anſpruch. Villaret erlaubt ſich, das Einſchiebſel der Chroniſten von Crépy nach Reims hinüberzuſpielen und daraus ein Zwiegeſpräch zwiſchen Johanna und dem Könige zu bilden, worin jene um ihre Entlaßung bittet und dieſer ſie weigert.**)

Die Hauptſtütze, worauf die Vertreter der fraglichen Anſicht fußen, iſt die Schlußſtelle in der Zeugenausſage des Grafen Dunoiss.Zuletzt ſagt der Zeuge, darüber befragt: Ob⸗ gleich Johanna manchmal, um die Krieger aufzumuntern, im Scherz über vieles auf den Krieg Bezügliche redete, was vielleicht nicht zur Ausführung gekommen iſt, ſo behauptete ſie doch, wenn ſie ernſthaft vom Kriege, von ihrem Werke und ihrem Berufe ſprach, niemals etwas anderes, als daß ſie geſandt ſei, um die Belagerung von Orleans aufzuheben, dem unter⸗ drückten Volke in der Stadt und den umliegenden Ortſchaften zu helfen und den König nach

*) Treffend Haſe a. a. O., S. 43: Es iſt der Seufzer eines noch verſagten Glücks und mit dem Bewußtſein diefer Verſagung. Und S. 157: Jedenfalls liegt in der Weiſe, wie die Jungfrau den Wunſch ausſpricht nach Dunois wie nach der Chronik, daß ſie nicht eine volle Berechtigung des⸗ ſelben anerkennt und nicht auf eine ſofortige Gewährung deſſelben hofft. Sickel a. a. O., S. 321: Denſelben Wunſch hatte die Jungfrau ſchon in früheren Tagen gehegt, und was ſich jetzt der Erfüllung deſſelben widerſetzte, war nicht das Bitten des Königs oder das Drängen des Hofes, der ſich vielmehr gern ihrer entledigt hätte(?), ſondern das Bewußtſein, daß ſie ihre Aufgabe noch nicht gelöſt habe.

*) Q. A. p. 38. C'est le seul témoignage sur lequel ait jamais pu se former cette opinion si accreditée, que, Charles VII une fois sacré, Jeanne, qui avait fini sa tàche, ne resta sous les armes que pour complaire au roi. Pour en étre venu, il faut d'abord avoir commis un contre-sens sur la phrase je voudrais quil lui pluút, en rapportant au roi le pronom qui se rapporte à Dieu. Wallon: Jeanne d'Are, I. 140: L'addition est telle qu'elle change, presque à l'insu de l'auteur, tout le sens du passage, car ce n'est plus de Dieu, c'est du roi que la Pucelle, dans la forme nouvelle du récit, paratt vouloir obtenir son retour auprés de ses parents! On peut donc dire que la leçon est sans valeur en face du texte parfaitement clair de l'original. Evidemment, dans ce récit, les paroles de Jeanne ne sont ni un aveu que sa mission est terminée, ni un désaveu de Ventreprise qu'elle poursuit: c'est le cri du coeur au milieu des répugnances naturelles qu'elle savait vaincre pour obéir à ses voix; comme à Vaucouleurs, quand elle demandait à partir, déeclarantqu'il n'y aurait de salut que par elle, elle ajoutait:Et pourtant j'aimerais bien mieux filer auprès de ma pauvre mère; car ce n'est pas mon état: mais il faut que j'aille et que je le fasse, parce que Messire veut que je fasse ainsi.