Druckschrift 
2 (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

Regenbogen in den Wolken des Himmels zu Gericht ſitzend. Auf jeder Seite des Hei⸗ landes ein Engel mit einer Lilie in der Haud. Der Herr hielt in der einen Hand die Welt⸗ kugel, mit der andern ſegnete er die Lilie(das Wappen Frankreichs), welche der eine der Engel nach ihm hinreichte 22. Jeſus Maria ſtand als Wahlſpruch auf der Seite 23. Die Rückſeite der Fahne zeigte die Jungfran Maria und zwei das Wappenſchild Frankreichs tragende Engel ²4. Auf dem Fahnenſchweif endlich war eine Art Verkündigung Mariä dargeſtellt, ein Engel, welcher der heiligen Jungfrau eine Lilie darreichte 25. Nimm die Fahne im Namen des Himmelskönigs, ſagten die Heiligen, und trage ſie kühn, Gott wird dir helfen 26. So ſehr Johanna das Schwert in Chren hielt, weit lieber hatte ſie doch die Fahne 27. Sie ſelbſt trug Jeſelde im Kampfe, um keinen Menſchen zu tödten. Und ſie iſt ſich bewuſt, nie einen Menſchen getödtet zu haben 28. Hr ſi 214 n R 2 ra4 ug e Nanun Nach dieſen Vorbereitungen kehrte Johanna nach Chinon zurück um Abſchied vom Könige zu nehmen ²9. Durch eine wunderbare Vorausſagung bezeichnete Johanna dieſen kurzen Auf⸗ enthalt. Sie theilte nämlich dem König mit, die heilige Katharina und Margareta hätten ihr offenbart, ſie werde bei der Befreiung von Orleans verwundet, aber durch die Wunde nicht gehindert werden, ihr Werk fortzuſetzen. Bei dem Sturme auf die Brückenſchanze iſt dieſe Prophezeiung in Erfüllung gegangen. Wäre dieſelbe nicht weiter verbürgt, als durch das Bekenntnis, welches Johanna in ihrem vierten Verhöre den Richtern darüber ablegt 30, ſo könnte der Zweifler verſucht ſein, an einen Gedächtnisfehler zu denken. Allein unwiderſprechliche Zeugniſſe beweiſen die Richtigkeit der Thatſache. Ein Flamändiſcher Edler, Namens Rotſelaer, ſchrieb nämlich aus Lyon, wo er ſich als Geſandter aufhielt, an den Hof zu Brabant, er habe von dem Hausmeiſter Karls von Bourbon gehört, daß ein Mädchen von Lothringen ſich beim Könige befinde, welches geſagt habe, es werde Orleans retten und ſelbſt in einem Kampfe vor Orleans durch einen Pein verwundet werden, aber nicht davon ſterben. Der Brief iſt vom 22. April und am 7. Mai ward Johanna durch einen Pfeilſchuß verwundet¹ Dies Zeugnis genügt für ſich allein, um die Wirklichkeit der Vorausſagung über allen Zweifel zu erheben. Sie wird aber auch durch die Ausſagen Violes im allgemeinen und Pasguerels insbeſondere beſtätigt 32. Letzteren hatte Johanna am Vorabend des verhängnisvollen Tages gebeten, ſich ſtets in ihrer Nähe zu halten.Denn, ſetzte ſie hinzu, ich werde morgen viel zu thun haben und mehr als je zuvor. Es wird morgen Blnt aus meinem Leibe fließen ober⸗ halb der Bruſt. Guicherat hat demnach Recht, wenn er dieſe Thatſache als unwiderlegbaren Beweis für die wenn auch immerhin beſchränkte Fähigkeit der Jungfrau hinſtellt, Zukünftiges vorher zu wißen und zu verkündigen**j. e n ir Gan

rA

*) Aperç. p. 75: En observant la nature de ses prédictions, la raison pourra n'y voir que les vénements annoncés par un génie qui, sans se l'avouer, portait en soi la force de les produire (Unſer Verhältnis zu dieſer Anſicht ſ. I. Theil, S. 36). Dégagées de leur expression mystique, elles reviennent effectivement à des pronostics de politique ou de stratégie, comme en ont ſait dans tous les temps les hommes d'Etat esupérieurs et les grands capitaines. Si elles se pré- sentent dans l'histoire avecnun caractère d'infaillibilité qui dépasse la mesure humaine, c'est parce qu'on n'a enregistré que celles qui se sont accomplies; mais comme fai démontré précé- demment que Jeanne a prédit maintes choses qui ne sont point arrivées, il s'ensuit que le merveillenx de son instinct prophéticque est corrigé par la diversité de ses effets. Haſe,

S. 83 sq: Das auf ihrer Begabung ruhende Vorgefühl eiſt in ihr zur Berufung durch himmliſche Mächte und zur Weiſſagung Zeworden. Wir ſind darum noch keineswegs berechtigt, ein einzelnes uo Fernſehn, deſſen Geſetz ſchon in der bekannteſten Form der Ahnung uns unbekannt iſt, ihr abzu⸗ ſprechen, ſo gewis auch, nachdem ſie einmal Glauben gefunden hatte, das Natürliche gern in's

ns Uebernarkütliche geſteigert und das Wunderbare ihr aufgedrungen wurde. Aber der wunderbare Blick in die verhüllte Ferne der Zeit oder des Raumes iſt auch ſonſt und mit ähplichen geiſtigen Zuſtänden verbunden oft genug vorgekommen, innerhalb und außerhalb der Chriſtenheit, bei den