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2. Abth. (1845)
Entstehung
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Mit dem Schluſſe des Winterſemeſters verließ uns, auf Anordnung des Directors des Königl. pädagogiſchen Seminars für gelehrte Schulen, des Königl. Conſiſtorialraths Profeſſor Dr. Middeldorpf der Candidat Dr. Steiner, der dem Gymnaſium ein Jahr, wenigſtens nominell, angehört, in der That aber, wegen ſeiner frühern, anhaltenden Kränklichkeit, nur das zweite Se⸗ meſter gelehrt hatte, und an ſeine Stelle trat ein andres Mitglied dieſes Seminars, Candidat Eichner. Zugleich ging das Probejahr der Hilfslehrer Dr. Dr. Baucke und Teuber zu Ende; ſie verblieben aber dem Gymnaſium, das ihrer Hilfe bedarf.

Die Lage der kirchlichen Feſte, von denen viele dieſes Jahr in den Mai trafen, in welchen auch vom 11. bis 18. die Pfingſtferien fielen, machten es unmöglich, den gewöhnlichen Frühlingsſpazier⸗ gang in hergebrachter, feierlicher Weiſe zu halten. Ein improviſirter Nachmittags⸗Spaziergang am Sonnabend den 24. mußte dafür als ein, freilich unzulänglicher Erſatz gelten. In Hinſicht auf Geſundheitspflege konnte er um ſo leichter entbehrt werden, als inzwiſchen die Vorübungen für die feier⸗ liche Eröffnung des Turnplatzes ihren Anfang nahmen. Dieſe Eröffnung ſelbſt erfolgte am 17. Juni in ſehr würdiger, anſprechender Weiſe. Geführt von dem Turnrathe bewegte ſich, unter dem Schall der Muſik zweier Chöre, der lange Zug von 16 1700 Turnern, in welchem unſere Gymnaſiaſten die 81. 114. Riege bildend, den Schluß machten, unter dem Geleit von Tauſenden auf den feſtlich geſchmückten Turnplatz, deſſen Umfriedigungen Abtheilungen der Bürgergarde ſchützten. Die Feſtrede, gehalten von dem Mitgliede des Turnraths, Director Dr. Schönborn, ſetzte den Werth und die Bedeutung des Turnens auseinander, ſprach die freudigſten Hoffnungen auf ſegens⸗ reiche Erfolge aus und endigte mit einem Hoch! auf Sr. Majeſtät den König, den Wiederherſteller der Turnübungen. Geſänge der Turner, von den Muſikchören begleitet, gingen der Rede vorher und folgten ihr. Ein Schauturnen bildete den zweiten Theil der Feſtlichkeit, nach welcher die Turnerſchaar in umgekehrter Reihenfolge bis zum Sammelplatze zurückzog.

In der Mitte des Juni fand auch die dritte Cenſur aller Schüler ſtatt, deren Reſultat in die Cenſurbücher eingetragen, ihnen mitgetheilt ward.

Am 16. Juli hatte das Gymnaſium das Glück, an einer freudenvollen und erhebenden Feierlichkeit mitwirkend Antheil zu nehmen, welcher die katholiſche Bevölkerung der Provinz ſchon lange mit froher Erwartung entgegen geſehen und wofür ſie mit geſchäftiger Luſt Vorbereitungen getroffen hatte. An dieſem Tage hielt Sr. Fürſtbiſchöflichen Gnaden, der erwählte und bereits conſecrirte Fürſtbiſchof von Breslau, Herr Freiherr Melchior von Diepenbrock, ſeinen feierlichen Einzug in unſere Stadt. Der Director befand ſich unter der Zahl der Männer, welche den Herrn Fürſt⸗ Biſchof beim Eintritt in das Weichbild der Stadt empfingen und ihn dann zu Wagen bis an die Stelle begleiteten, wo ihn, an der Spitze des aufgeſtellten Spaliers, die hochwürdige Curatgeiſtlichkeit durch den Mund des Erzprieſters bewillkommete. Von hier war er dem feierlichen Zuge, der den Eingeholten geleitete, vorangeeilt, um ſich mit den Lehrern des Gymnaſiums wieder zu vereinen, die an der Spitze des Theils jenes Spaliers aufgeſtellt waren, der, aus den Gymnaſiaſten mit ihrem Stabträger an der Spitze jeder Klaſſe beſtehend, ſich nach der Stadt zu an die Seminariſten des katholiſchen Schullehrer⸗Seminars, nach der Kathedrale zu an die katholiſchen Studenten der Univerſität anſchloß. Der Eindruck wird ſich den jugendlichen Gemüthern unvertilgbar eingeprägt haben und als Männer werden ſie freudig des Tages gedenken, an den ſich gewiß eine lange Reihe

ſegensvoller Folgen knüpfen wird. 6