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verteilt, dasselbe Schicksal erlitt Ascoli. Uber Melfi, Gravina und Rapolla kehrte er nach Sa- lerno zurück ¹) und schiffte sich dort im Oktober nach Sicilien ein.
Die Unterwerfung Apuliens war allerdings vollständig, allein inzwischen hatte die Re- bellion im Nordwesten des Reiches auch ihrerseits Fortschritte gemacht, Neapel, Benevent, der Graf von Boiano oder Molise hatten sich ihr angeschlossen. Der Fürst von Capua war von Rom, wo seine Bemühungen, Lothar für einen Feldzug gegen Rom zu gewinnen, vergeblich ge- wesen, nach Pisa gegangen und suchte dort die Republik zu kräftiger Hülfeleistung zu be- wegen. Innocenz, der bereits im Sommer 1133 aus Rom geflohen, in Pisa ein Asyl gefunden hatte, wird ihn dabei zweifellos unterstützt haben. ²)
Während seiner Abwesenheit änderte sich jedoch die ganze Sachlage. Zu Anfang des Jahres 1134 war Roger wieder auf der Terraferma erschienen und war sengend und brennend in des Grafen Rainulf Gebiet eingefallen. Widerstand war unmöglich, so sah sich den Rainulf genötigt, unter den härtesten Bedingungen sich zu unterwerfen. Seinem Beispiele folgten Sergius von Neapel und Graf Hugo von Molise, in Benevent mufsten die Führer der innocen- tianischen Partei aus der Stadt fliehen²). Capua ergab sich, der Sieger hielt einen feier- lichen Einzug.
So war nun die Ruhe im ganzen Reiche wieder hergestellt, die königliche Macht be- deutend gestärkt, die der Barone durch Gebietsabtretungen sehr geschmälert, das Fürstentum Capua durch Einziehung als heimgefallnes Lehen mit dem Körper des Reichs vereinigt. Bis an die Grenzen des Kirchenstaats herrschte Roger nun, und in Rom saſs ein Gegenpapst auf dem apostolischen Stuhle, der sich nur durch die Macht des Siciliers behaupten konnte und ganz in seine Hand gegeben war4). Triumphierend kehrte der König nach Sicilien zurück.
Da durchflog im Frühjahr 1135 Italien die Nachricht, daſs Roger zu Palermo schwer erkrankt sei, bald folgte die falsche Kunde von seinem Tode ⁵). Sofort eilte Fürst Robert mit einer pisanischen Flotte nach Neapel, wo sich Sergius sofort an ihn anschlofs, sofort erhob auch Graf Rainulf die Fahne des Aufstandes. Allein den Stellvertretern des Königs, dem energischen und gewandten Kanzler Guarin und dem Ammiratusé) Johann gelang es, die am meisten bedrohten Pflätze, vor allem Capua, vor dem ersten Ansturm zu halten und zu Capua eine Kriegsmacht zu versammeln, die hinreichend war, die Unternehmungen der Gegner zu paraly- sieren?). Die Hoffnung derselben, Capua durch Verrat der Anhänger des Fürsten zu nehmen, hatte der Kanzler dadurch vereitelt, daſs er die entschiedensten derselben aufgehoben und nach
¹) Vergl. Rogers Regesten weiter unten.
²) Die Hilfe Pisa's war unbedeutend, doch geht aus Alex. Teles. u. Falco, sowie Marangone, annales Pisani and ann. 1134(pisanischer Kra) Mon. Germ. Scr. XIX: in mense Septembri incepta est lis a Pisanis eum rege qui dicitur Rogerius hervor, daſs die Feindseligkeiten in diesem Jahr doch bereits begonnen hatten.
³) Unter ihnen auch Falco, der Geschichtschreiber der Stadt.
4) Giesebrecht 4, 117. ⁵) Alex. Teles. 3, 1. Del Re 1, 129.
6) Bernhardi, Lothar p. 624 scheint Ammiratus für einen Eigennamen zu halten, es ist indes nichts anders, als eine Korruption des arabischen Worts emir, bezeichnet also einen Titel, woraus später das Wort »Admiral« enstand, vergl. Amari 3, 351 sq.
⁷) Der einzige Erfolg der Aufständischen war der Gewinn Aversa's.


