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ermeſſer, ob er im Stande iſt den Auforderungen, velche das Metrum ſllt, zu genügen, dabei aber zugleic die Mittel, welche daſſelbe zur Belebung des Ausdrucks gewährt, im vollſten Maße zu benutzen und den Zwecken der ganzen Darſtellung dienſtbar zu machen.
Da Ovid der großte Meiſer in dieſer Art des Vershaues iſt ſo trrien bei näherer Betrachtung auch hinſichtlich der Wortſtellung zum Zwecke rhythmiſcher(und zugleich lautlicher) Malerei eine Menge Schönheiten in ſeinen Werken zu Tage.
§. 2. Es iſt natürlich, daß die gewöhnliche Wortfolge, deren Hauptzweck Verſtändlichkeit und Deutlickeit iſt dem Dichter für ſeine beſondere Ausdrucsweiſe überhaupe wenig Mittel an die Hand giebt am wenigſten aber ſpeeiell für rhythmiſche Malerei. Denn zu dieſem Zwecke will der Port, wie Leſſing im Lackoon S. 122 ſagt,„nicht bloß verſtändlich werden; ſeine Vorſtellungen ſollen nicht bloß klar und deutlich ſein,— hiemit beguügt ſich der Proſaiſt— ſondern er will die Ideen, die er5in uns erweck, ſo lebhaft machen daß wir in der Geſchwindigkeit die wahren ſimmlichen Eindrücke ihrer Gegenſtände zu empfinden glauben und in dieſem Augenblick der Täuſchung uns der Mittel, die er dazu anwendet, ſeiner Worte, bewußt zu ſein aufhsren⸗ Solche Wirung hervorzubringen, liegt aber der logiſchen Worfflge in der Regel ſehr fern.
§. 3. Anders ſteht es ſchon mit den Abweichungen von ihr, wie ſie das rhetoriſche Geſetzverlangt. Während im Deutſchen die Bedeutſamkeit eines Wortes durh nachruckvallere Betomumg angezeigt wird, geſchieht es im Lateiniſchen durch die Abweichung von der gewöhnlichen Wortſtellung. Der Redner ſtellt ſeine Worte dahin, wo ſie ihm am beſten zu poſſen ſcheinen, um ſeiner Rede Kraft und Schönheit zu verleihen, gleichwie der Baumeiſter unbehauenen Steinen den Platz anweiſt, an dem ſie ſich am feſteſten in das Gebünde einfügen und trot ihrer Unregelme die ſchöne Form des Ganzen herſtellen helfen. Es werden daher auch mancherlei Abweichungen in der Worffolge, wie ſi der dneriſcen Sprache eigenthümlich ſind, aus dieſer von dem Dichter entlehnt, um dem Ausdrucke Lebendigleit und Anſchaulichkeit zu verſchaffen. Dahin gehört⸗)
1. die Umſtellung, vermöge welcher ein Wort entneder wegen ſeiner Wichtiglei ſtr den Gedanten, cder zur Bezeichnung von Gleicheit oder Gegenſat durch beſondern Nachdruck hervorgehoben werden ſoll, und zwar geht abweichend von der gewöhnlichen Wortfolge voran:
¹) das Priditat dem Subſerte:
I, 78. Natus homo est. 146. Tmminet exitio vir coniugis. XIII, 785. Senserunt toti pastorin sibila montes, Seusenunt undae. I, 452. Primus auor Phoehi Daphne Penela. 440. Terror eras. III, 349. Vana diu visu est vox uuguris. II, 161. Sed leve pondus ernt. II, 107. Aureus axis erat, temo aureus, aurea summae Curratura rotae. XIV, 651. Miles erat gladio, piscator arundine sumpta.
1) das attributie Adjertiy dem Subſtantioum:
II, 203.— nulloque inhibente per auras Ionotae regionis eunt. I, 436. Mlidit inmumeras species. VI, 174. meximus Atlas est ari 11. ad Pahlica munera veni. 331. Non huc, o iuvenis, montanum numen in am est. Illa suam vocat hanc—
c) das Poſſeſſuum dem Subſtantivum:
I. 463.— figat kieues omnia, Phoebe, Te meus arcus“ ait. 465. Tunto minor est futa gloria nastra.— Dagegen ſieht das Demonſtrativum bisweilen hinter ſeinem Nomen, wodurch bede in gleicher Weiſe hervorgehoben werden: I. 768. Per iuhar koc' inquit. 772. sitdue oculis luæ ista novissima nostris.
) das regierte Nomen dem regierenden:
I, 354. Terrarum, quascunque vident occasus et ortus, Nos duo turbu sumus, III, 581. morisque novi cur sacra frequentes. IV, 55. iuuenum pulcherrimus alter, Altera— praelata puellis. 60. Tempore crevit amor. faeddae quoque iure coissent.
.. Hinſichich der Amorduung der einzelnen Abweichungen von der gewöhnlichen Wortpplge ſließe ich mich hier der Grammatik von G. T. A. Krüger an. S. S. 928.


