Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
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24

31.

Damötas und Phyllis.

(Bel. 1744 A, S. 469.)

Eine Schäfererzählung.

Damötas war ſchon lange Zeit Der jungen Phyllis nachgegangen; Noch konnte ſeine Zärtlichkeit Nicht einen Kuß von ihr erlangen.

5 Er bath, er gab manch gutes Wort; Umſonſt! ſie ſtieß den Schäfer fort.

Er holte Taſche, Stock und Band: Dieß, ſprach er, will ich alles miſſen, Verſprich mir nur mit treuer Hand,

10 Mich dieſen Sommer noch zu küſſen. Geh, rief die ſpröde Schäferinn, Das Küſſen kömmt mir nicht in Sinn.

Zwey Lämmer ſchlug ſie in den Wind. O, ſpricht er, daß ich ruhig werde: 15 So küſſe mich, geliebtes Kind, Hier haſt du meine ganze Heerde; Doch nichts nahm unſre Phylllis ein; Mit finſtrer Stirne ſprach ſie: Nein!

Wie? rief Damötas ganz erhitzt, 20 So kannſt du nichts, als widerſtreben? Gut, ich verbiete dir anitzt, Mir jemals einen Kuß zu geben. Ol ſpricht ſie, fürchte nichts von mir, Ich bin dir ewig gut dafür.

25 Den andern Morgen war Damöt, Im Hüten, bey den ſatten Schafen, Dort, wo Menalkens Buche ſteht, Vor Lieb und Kummer eingeſchlafen, Und Phylllis, im Vorübergehn,

30 Bleibt achtſam bey dem Schäfer ſtehn.

Wie roth, ſpricht Phyllis, iſt ſein Mund! Bald dürft ich mich zu was entſchlieſſen. O thäte nicht ſein böſer Hund, Ich müßte dieſen Schäfer küſſen. 35 Sie geht; doch da ſie gehen will, Steht Phyllis vor Verlangen ſtill.

Damötas und Phyllis.

Damötas war ſchon lange Zeit Der jungen Phyllls nachgegangen; Noch konnte ſeine Zärtlichkeit Nicht einen Kuß von ihr erlangen.

5 Er bat, er gab ſich alle Müh'; Doch ſeine Spröde hört ihn nie.

Er ſprach:Zwei Bänder geb ich dir. Auch ſoll kein Warten mich verdrieſſen; Verſprich nur, ſchöne Phyllis, mir,

10 Mich dieſen Sommer noch zu küſſen. Sie ſieht ſie an, er hofft ſein Glück; Sie lobt ſie, und giebt ſie zurück.

Er bot ein Lamm, noch zwey darauf, Dann zehn, dann alle ſeine Heerden. 15 So viel? Dieß iſt ein theurer Kauf. Nun wird ſie doch gewonnen werden? Doch nichts nahm unſre Phyllis ein.

Mit finſtrer Stirne ſprach ſie:Nein!

Wie? rief Damötas ganz erhitzt, 20So willſt du ewig widerſtreben! Gut, ich verbiete dir anitzt,

(1. Buch, Nr. 23.) Mir jemals einen Kuß zu geben. O, rief ſie,fürchte nichts von mir, Ich bin dir ewig gut dafür.

25 Die Spröde lacht, der Schäfer geht,

Schleicht ungeküßt zu ſeinen Schafen.

Am andern Morgen war Damöt

Bey ſeinen Heerden eingeſchlafen;

Er ſchlief, und im Vorübergehn

30 Blieb Phyllis bei dem Schäfer ſtehn.

Die folgende Strophe ist unverändert, abgesehen von Z. 36: So ſteht ſie vor Verlangen ſtill. Im übrigen ist nur folgendes verändert:

38: Und ſucht die Zeugen, die ſie ſcheute,

42: Sich noch zween Schritte näher wagt

44 46: Allein ſie kann ſich nicht entſchlieſſen. Doch nein, itzt bückt ſie ſich geſchwind Und wagts, Damöten ſanft zu küſſen.

. 51: Scheint minder ſich, als erſt, zu ſcheun

. 56: ſanfte Stunde

. 62, 63: So ſollſt du mich zum Scherze küſſen. Nun, ſprach der Schäfer,iſts zu ſpät,

. 66: Um einen Kuß zehn Küſſe hin.

Z. Z. Z.