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2 (1907)
Entstehung
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Doch was die Glut nicht kann, kann der Proceß verzehren. Vier Freunden hat er einſt viel Summen Geld geliehn, Er fordert dieſes Geld, und ſie belangen ihn, Und wiſſen ſeine Hand verſchlagen nachzumalen;

70 Nicht ſie bezahlen ihm; nein, er muß ſelbſt bezahlen. Dieß kann Betrug und Liſt, Verwegenheit und Schwur; Und wems nicht glaublich ſcheint, der ſtreit und rechte nur. So arm floh Bias kaum, ein Weiſer von den Sieben, Als Cleon, den der Streit von Haus und Hof vertrieben!

75 Was fängt nun Cleon and verzweifelt ſeine Bruſt? O nein! er bleibt getroſt. Sein Weib iſt ſeine Luſt, Und er Serinens Glück. Der Fleiß erhält ihr Leben, Und froh genießen ſie, was beyder Fleiß gegeben.

Das ſo beſchämte Glück both endlich dieſem Mann, 80 Wenn er Serinen ließ, noch zehnmal Größers an. Nein, ſprach er, eitles Glück, die Eintracht der Gemüther, Der Zug der Zärtlichkeit iſt mehr, als alle Güter; Dieß Labſal iſt zu klug, zu groß, zu ungemein; Viel beſſer ohne Glück, als ohne Liebe, ſeyn!

Und nichts blieb ihm von dem, was ſonſt ſein Herz erfreute. 70 Nichts, als ſein treues Weib, im widrigſten Geſchick Sein Beyſtand und auf ſtets ſein Glück. Durch Fleiß entriſſen ſie ſich der Gefahr zu darben; Und froh genoſſen ſie, was ſie durch Fleiß erwarben. Umſonſt perſprach das Glück, ihn doppelt zu erfreun, 75 Wenn er der Lieb entſagen wollte. Nein, rief er,wenn ich auch ein Cröſus werden ſollte, Gieng ich doch nie dein Anerbieten ein. Die Liebe läßt mich weiſer ſeyn, Als daß ich dich mir wieder wünſchen wollte. 80 Serine, komm! Mein Herz bleibt dein; Viel beſſer, ohne Glück, als ohne Liebe ſeyn. Ja, Semnon, ja, mein Herz iſt dein; Viel beſſer, ohne Glück, als ohne Liebe ſeyn.