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Von den 16 in Alerandrinern abgefassten Fabeln hat Gellert nur 5(Nr. 4, 8, 22, 24, 29) und auch diese erst für das 3. Buch umgearbeitet. Offenbar machte der ausgeprägt steife und mit einer schwerfälligen Phraseologie durch die Tradition belastete Stil des Alexandriners die Umarbeitung besonders schwierig. Fünf andere, die nur eine geringe, sich im wesent-— lichen auf Besserungen des Ausdrucks im einzelnen beschränkende Überarbeitung erfahren und die Form des Alexandriners behalten haben(Nr. 11, 17, 26, 27, 33), sind erst lange nach Gellerts Tode von Ludwig Neuffer im„Taschenbuch von der Donau auf das Jahr 1824“ veröffentlicht worden,¹) zugleich mit einer Umarbeitung von Nr. 32 sowie einer noch in Alexandrinern abgefassten Bearbeitung von Nr. 4(die mithin in drei Fassungen vorliegt). Von sämtlichen Fabeln und Erzählungen der drei Sammlungen aber sind nur drei, wovon zwei im 1. Buch, in fortlaufenden Alexandrinern abgefasst:„Inkle und Yariko,“„Monime“ und (mit Ausnahme der Moral)„Die beiden Schwarzens; diese drei aber sind eruste poetische Erzählungen, für welche der Alexandriner überhaupt noch länger in Geltung blieb.
Von den in Strophen verfassten Stücken der Belustigungen hat G. 5 metrisch unver- ändert herübergenommen(Nr. 2, 7, 9, 25, 31), wie Gellert überhaupt die Strophenform aus den Sammlungen nicht völlig ausgeschlossen hat(im 1. Buch sind 9, im 2. drei und im 3. Buch 4 strophische Gedichte), wenn er sie auch im allgemeinen für die Fabel verwarf. Er urteilt darüber sehr richtig:„In den meisten Fällen verträgt sich der Zwang der Strophen, der sich immer gleichen Zeilen, der bestimmten Ruhepunkte in den Strophen nicht mit den Tugenden der Erzäühlung. Man darf, um sich davon zu überzeugen, nur einen Versuch mit einer guten Fabel, die in freyen Versen erzählt ist, machen und sie in das Versmass der Ode übertragen; wie bald wird man sehen, dass die besten Stellen verloren gehen; dass dieser Gedanke in einer längeren Zeile gesagt seyn will, dass er oft, wenn er nur ein Wort verliert, nicht mehr so natürlich oder scherzhaft klingt; dass selbst die Länge und Kürze der Zeilen bald den Nachdruck, bald die Anmuth im Erzählen befördert! Und wo ist in der Strophe der Platz zu den Nebenbetrachtungen, zu einer kleinen im Vorbeygehen angebrachten Spötterey, zu gewissen Wiederholungen und anderen kleinen Schönheiten der Erzählung?“ (Schriften ²) I 287 f.„Beurtheilung einiger Fabeln aus den Belustigungen“). Ganz ähnliches aber gilt vom fortlaufenden Alexandriner, den, wie wir sahen, Gellert später fast ganz auf- gegeben hat. In den Belustigungen aber wird Gellert dem Vorbild Hagedorns gefolgt sein, der im 1. Buch seiner Fabeln(1738) ebenfalls fast nur Strophen und fortlaufende Alexandriner hat. Dann aber wählte er das Versmass, dessen Vorzüge ihm bei Lafontaine, Lamotte und Stoppe deutlich entgegentraten.
Gellert weist in den oben angeführten Worten auf den bedeutenden Einfluss des Metrums auf den Stil hin. Und so gehen denn mit der Anderung des Metrums überraschende stilistische Fortschritte Hand in Hand. Über die Entwicklung des Gellertschen Fabelstils habe ich eingehend und unter Anführung zahlreicher Beispiele gehandelt in meinen„Studien über Gellerts Fabelstil, Marburg 18971.“ Ich verweise daher auf diese Untersuchungen, denen eine Vergleichung der in Schwabes Monatsschrift erschienenen Fabeln mit den drei Büchern „Fabeln und Erzählungen“ zu Grunde liegt, und kann mich hier damit begnügen, einige die Hauptergebnisse zusammenfassende Sätze daraus anzuführen:„Ein dramatisches Element
1) Bequemer zugänglich in der Hempelschen Ausgabe. 2) hrsg. v. J. L. Klee. Leipzig 1839.


