Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Allegorien, Träume, Gespräche, Schreiben, Oden, Cantaten, Schäfergedichte, Elegien, Satiren, Lehrgedichte und Versuche von grössern Poesien wird man in dieser Sammlung aufnehmen. Indessen ist man doch gar nicht Willens, alle gemeine Hochzeitscherze. Leichenklagen und Glückwünsche allhier aufzuheben, welche uns in die Hände fallen. Wenn diese Schriften nicht so beschaffen sind, dass sie auch andern ergetzlich, angenehm und nützlich seyn können, welche nicht mit an der Hochzeittafel gesessen, oder die Leiche begleitet haben: So dürfen sie sich keines Nachdrucks von uns befürchten. Sonst wird man nichts, was witzig, vernünftig und tugendhaft ist, von dieser Sammlung ausschliessen. Ernst und Scherz sollen darinnen ohne Unterschied auftreten. Auch die Galanterie soll Theil daran haben; und man wird sehen, ob Deutsche dazu fähig sind, wenn wir zuweilen einige Briefe vorbringen, welche unter die Classe der galanten gerechnet werden müssen. Kurz, alle Gestalten. worinnen sich nur der Witz zeigen kann, ohne der Vernunft lächerlich zu werden, und alle kleine Werke, welche der Verstand nur hervorbringen mag, ohne sich pedantisch dabey zu erweisen, sollen allhier einer gütigen Aufnahme und Fürsorge geniessen. Man wollte zeigen,wie viel der deutsche Witz vermag. Hatte Mauvillon noch soeben in seinenLettres françaises et ger- maniques(1740) ausrufen dürfen:Que manque-t-il donc à l'Allemagne pour produire de grands poètes? Rien que l'esprit!, so wollte man nun beweisen, dass es den Deutschen auch an Esprit nicht fehle. Freilich das Vorbild für die neue Zeitschrift musste das Ausland bieten. Schon der Titel war den Nouveaux amusements de l'esprit et du coeur(1737) nachgebildet. Die Einrichtung folgte dem Mercure galant und dem Mercure français. Aber die junge Dichter- generation, zu der damals Elias Schlegel, Rabener, Kästner und Gellert gehörten, war für die Mitarbeit gewonnen, und so sind denn die Belustigungendas wichtigste literarhistorische Denkmal für das Aufstreben der entbundenen Kräfte aus dem Bann platter Nüchternheit, für den Kampf der Phantasie um die ihr vorenthaltene bevorzugte Stellung in der Dichtung. ²¹)

Gellert hat zu dieser Monatsschrift, die ein buntes Vielerlei von Gutem und Schlechtem, von Geistlosem und Witzigem bietet, folgendes beigesteuert: seine ersten dramatischen Ver- suche, die beiden SchäferspieleDas Band(im 6. Bd.) undSylvia(im 8. Bd.), ferner drei Prosabeiträge(Gedanken von einem guten deutschen Briefe im 2. Bd.,Strohkranzrede im 7. Bd. undWarum es nicht gut sei, sein Schicksal vorher zu wissen, im 8. Bd.) und neben einer Anzahl poetischer Sendschreiben, Oden, Elegien etc. 34 Fabeln und Erzählungen, die mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurden.In jedem neuen Stücke, berichtet Cramer, sah man zuerst nach, ob eine Fabel oder Erzählung von Gellert darin wäre. Pberall las man diese, las sie wieder und wusste sie auswendig.

Von ihnen hat Gellert 19 in umgearbeiteter Form und teilweise mit veränderter Überschrift in die Sammlungen seiner Fabeln und Erzählungen aufgenommen und zwar 5 in die erste Sammelausgabe(1746), das später so bezeichnete 1. Buch, in das 2. Buch(1748) keine, in das 3. dagegen(1754) 14; hier mochte wohl seine Erfindungskraft erlahmen(das 3. Buch enthält im ganzen nur 37 Fabeln, während die beiden ersten Bücher je über 50 ent-

halten), und so griff er auf die in den Belustigungen veröffentlichten Fabeln zurück.

Über diese 34 Nummern gebe ich im folgenden eine UÜbersicht, und zwar bei den umgearbeiteten unter Angabe des Buches, in das sie später aufgenommen sind, und des etwa veränderten Titels.

¹) Waniek in der Allg. D. Biogr.