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1 (1895) Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758
Entstehung
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sehr steil ansteigt und tiefe Dunkelheit herein- brach. Während Isenburg heranmarschierte, versuchte eine französische Abteilung von 3000 Mann unter Crillon, von Cassel kommend, die Anhéhen zwischen Sandershausen und Landwehr- hagen bei Lutternberg zu gewinnen, um von da nach Münden vorzugehen. Sie wurde aber von Fürstenberg auf der Stelle angegriffen und mit einem Verluste von 50 Mann über Sanders- hausen nach Cassel zurückgeworfen. Der Herzog von Württemberg, der sich bei dieser Abteilung befand, wäre beinahe gefangen worden. Am 5. Oktober verliess auch General v. Oberg mit dem ersten Treffen die Stellung bei Rothwesten und marschierte nach Landwehrhagen, wo er nun seine sämtlichen Streitkräfte wieder ver- einigte. Obwohl der UÜbergang in drei Abtei- lungen, an verschiedenen Tagen und dicht unter den Augen des Feindes ausgeführt wurde, hatte derselbe doch nicht den geringsten Versuch gemacht, ihn zu stören oder auch nur zu beläs- tigen und zu erschweren. Oberg bezog nun mit seinem ganzen Corps ein Lager auf der nördlichen Seite des Sandershäuser Berges, mit dem rechten Flügel an den Hohenschleifen- graben vor Landwehrhagen, mit dem linken an den Heiligenroder Wald gelehnt. Durch den vorliegenden Sandershäuser Berg, den Ellen- bacher und Heiligenroder Wald war dasselbe den Blicken der Feinde gänzlich entzogen. Diese Stellung hatte indes den grossen Nachteil, dass sie auf dem linken Flügel von Heiligenrode her durch das Thal der Nieste umgangen und die Rückzugslinie Obergs nach Münden durch- schnitten werden konnte.

Während dieser Bewegungen Obergs blieb Soubise, ohne sich zu rühren, in seinem befes- tigten Lager auf dem Kratzenberge stehen, be- ständig umschwärmt von den leichten Truppen der Verbündeten, besonders den Luckner'schen Husaren, deren Uberlegenheit im kleinen Kriege über die Franzosen sich beständig fühlbar machte. Während die französischen Kuriere nur unter starker Bedeckung, oft von mehreren

gefallener Entscheidung angeordnet hatte.

hundert Reitern, ausgesandt werden konnten, wurde Oberg durch seine Streifscharen von allen Vorgängen beim Feinde aufs genauste unterrichtet. So blieb ihm das Heranrücken der franzöõsischen Verstärkungen nicht verborgen. Am 8. Oktober traf die erste Abteilung der- selben, 25 Bataillone, 24 Schwadronen und 2 Freicorps, unter Chevert und dem Prinzen Xaver v. Sachsen von Stadtberge her über Wolfhagen bei Cassel ein und bezog ein Lager, das sich von Freienhagen bis über Ober-Zwehren hinaus erstreckte. Am nächsten Tage langte auch der Herzog v. Fitz-James mit dem Reste, 10 Batail- lonen und 12 Schwadronen, an. So verstärkt er hatte jetzt fast 46000 Mann unter seinem Befehle vereinigt beschloss Soubise, sofort zum Angriffe überzugehen, zumal ihm Contades das Chevert'sche Corps nur auf kurze Zeit über- lassen und dessen alsbaldige Rücksendung nach Es galt also für ihn, die gewährte Frist, die nur nach Tagen bemessen war, auszunützen. Ober- halb Cassels waren mehrere Pontonbrücken geschlagen worden, zwei bei der jetzigen Collet- schen Badeanstalt, eine zwischen der Carlsaue und der Mündung des Mühlbachs und eine vierte bei der Neuen Mühle; noch am Abende nahm ein Teil des Soubise'schen Heeres in der Karls-Aue Aufstellung, um am nächsten Morgen zum UÜbergange bereit zu stehen.

Den 0. Oktober begannen die Truppen Soubise's und Chevert's in fünf Heersäulen die Fulda zu überschreiten. Der Marquis de Voyer führte den Vortrab, welcher aus dem Fischer'- schen Corps, der Légion Royale, den Volon- taires de Flandres, 20 Compagnien Grenadiere, 20 Infanterie-Piketts und 450 Karabiniers be- stand, und deckte mit demselben den Ubergang und den Aufmarsch der Armee. Soubise nahm Aufstellung in zwei Treffen an dem linken Ufer der Losse; sein rechter Flügel, das Corps von Chevert, lehnte sich an Nieder-Kaufungen, sein linker an die Unter-Neustadt. Die Division

Fitz-James ging gegen Abend bei der Neuen