mgebung von Cassel.
I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758.
Von
Oberlehrer Dr. Johannes Pohler.
Die nachfolgenden Schilderungen der wichtigsten kriegerischen Ereignisse aus der Geschichte Cassels und seiner Umgebung sollen als eine Ergänzung zur Heimatskunde dienen. Kriegsereignisse prägen sich lebhafter und tiefer dem Gedächtnisse ein als andere, sie erwecken regeren Anteil als z. B. rein politische; an tapferen Thaten der Vorfahren erheben und stärken sich die Seelen der Nachkommen zu gleichem Heldenmute und gleicher Selbstver- leugnung.
Die Kämpfe im offenen Felde, welche sich in der Nähe unserer Stadt abgespielt haben, die Belagerungen und Angriffe, denen sie ausgesetzt gewesen ist, sind zwar nicht von weltgeschicht- licher Bedeutung, für die Geschicke unseres engeren Vaterlandes aber doch von hervor- ragender Wichtigkeit gewesen.
Von den älteren Zeiten können wir absehen; auch in den grauenvollen Jahren des dreissig- jährigen Krieges ist unsere Stadt, obwohl feind- liche Heerscharen in der Nähe vorüberzogen und Lager schlugen, nicht das Ziel feindlicher Anfälle gewesen. Die kriegerischen Ereignisse von grösserer Bedeutung, deren Behandlung in Aussicht genommen ist, gehören dem sieben- jährigen Kriege und der napoleonischen Zeit an. Es sind dies die Kämpfe an der Mündener (Hannòverschen) Strasse bei Sandershausen und Lutternberg im Jahre 1758, die Belagerung von Cassel 1761, die Schlacht bei Wilhelmsthal, das Treffen bei Lutternberg und die zweite Belagerung von Cassel 1762 und endlich der Angriff Tschernitschews im September 1813.
A.
Der Feldzug in Hessen bis zum Treffen von Sandershausen im Jahre 1758.
In dem grossen siebenjährigen Kriege stand Landgraf Wilhelm VIII. auf der Seite Friedrichs II. und Englands. Seine tapferen Truppen gehôrten zu der in englischem Solde stehenden soge- nannten»alliierten Armee«, welche sich ausserdem aus hannôverschen, preussischen, englischen braunschweigischen, lippe-bückeburgischen und sachsen-gothaischen Truppen zusammensetzte. Dieser fiel die Aufgabe zu, den grossen König, der an der Elbe und Oder gegen die Oster- reicher, Russen, Reichsvölker und Schweden stritt, vor einem unmittelbaren Angriffe der Franzosen zu sichern; das hat sie im grossen und ganzen vermocht und dadurch dem Könige seine Erfolge auf dem östlichen Kriegsschau- platze nicht selten ermõglicht und erhöht.
Im Anfange des Krieges freilich liessen sich hier im Westen die Dinge schlecht genug an. Der bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 von den Franzosen geschlagene unfähige Oberbe- fehlshaber der alliierten Armee, der Herzog von Cumberland, schloss am 8. September die schmachvolle Convention von Kloster Zeven, durch welche dieses Heer aus dem Kampfe aus- schied. Zum Glück für Friedrich verhielt sich der franzõsische Oberfeldherr, Herzog von Riche- lieu, vollkommen unthätig; er blieb unbeweglich in Hannover und Hessen stehen, nur auf Aus- saugung und Bedrückung dieser Lande bedacht. Doch bald änderten sich die Verhältnisse zu
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