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von Namen und Zahlen, um Kunstgeschichte, sondern im Mittelpunkt steht das Werk selbst. Genau so ist es ja auch bei der Beschäftigung mit der Musil. Wenn Sie sich zum Beispiel mit Wagner beschäſtigen, werden Sie doch nicht zunächst in einer Musikgeschichte über Wagner nachlesen, oder sich mit der Lektüre seiner Biographie oder Briefe beschäftigen, so in- teressant dies auch sein mag. Was wird man zunãchst tun?-· 5.- Man wird Wagner spielen.-L. Aber wenn man nicht spielen kann?.· SG.⸗ Man wird seine Stücke sich vorspielen lassen, oder wird sie sich im Theater ansehen.* L.-Also um es zusammenzufassen, wir gehen von dem Werke aus, nicht von dem Meister und müssen es Iernen, uns in das Werk zu vertiefen, dazu stellen wir die drei Fragen— ein Schüler wiederholt sie.— Ich meine nun nicht, daß wir jedesmal, wenn wir ein Bild betrachten, uns die drei Fragen vorlegen sollten. Bei vielen Bildern sieht man schon auf den ersten Blick, was das Bild bedeutet, die zweite Frage ist dann also über- flüssig.— Die Schüler nennen dafür einige Beispiele aus dem Kab. 10.— Ich denke mir die Sache vielmehr so: besuchen Sie öfter eine Galerie oder eine Russtellung, legen Sie sich bei einem Bilde einmal diese, ein andermal jene Frage vor, bis Sie schließlich das Bild gewissermaßen auswendig können nach dem Inhalt, dem Was— und nach der PForm— dem Wie. So, wie Sie auch ein Musikstüd auswendig können, weil Sie es schon so oft gespielt haben, trotzdem spielt man es immer wieder gern. Auch Bilder muß man auswendig können.
Wir wollen nun bei der Beantwortung der INAS SBIENW ersten Trage zwei Teile unterscheiden.
1. Den Ichauplatz
2. Die Personen Zu welchem Schauplatz führt uns der Maler?. ScU.⸗In eine Stube. · L., In was für eine Stube? S., In die Stube eines Bauern.— Es zeigt sich Widerspruch.* L.- Wer ist anderer Meinung?* J.⸗In die Stube eines Bürgers.*L.- Was halten Sie von dem Bürger, ist er reich oder arm? Sch. Er scheint wohlhabend zu sein.*L., Nennen Sie mir einige Beispiele, warum Sie ihn für wohlhabend halten.— Es werden alle möxglichen Beispiele genannt: Das Bild mit seinem Goldrahmen, das Fenster mit den Butzen- scheiben, der Fußboden, die Gerãte, Tischdecke, Vogelkäfig und die Kleidung der Leute. · L., Lassen Sie mich jetzt eine Bemerkung machen. Sie sehen auf diesem Bilde, wie sich die Leute damals zu kleiden pflegten und wie es in ihren Zimmern aussah, das ist etwas Kulturgeschichtliches und wird uns interessieren, aber wir dürfen es nicht bei Bewertung des Bildes mit berüdksichtigen. Darin liegt nicht der Kunstwert eines Bildes, ebenso-


