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mit?„U scribas aliguide, erwidert Atticus, iam pridem enim conticuerunt tuue litterae.“ Diese Worte haben nun allerdings auf den ersten Blick etwas sehr auffallendes. Dasz Cicero schrift- stellerisch thätig sein wolle, hatte er ja selbst schon damit angedeutet, dasz er den lange brach gelegenen Acker von neuem bearbeiten zu wollen verspricht; und sodann: wie konnte diese schriftstellerische Thätigkeit nur als ein Schuldabtrag an Brutus und nicht zugleich an Atticus bezeichnet werden. Das auffallende aber verliert sich meines Erachtens, wenn wir bedenken, dasz oben, wo von dem Gegengeschenk an Atticus die Rede war, niemals der Ausdruck scribere gebraucht ist, sondern nur solche bildliche Wendungen, die auf eine längere gründliche Be- arbeitung deuten. Das erfordert längere Zeit; daneben aber geht es recht wol an, meint Atticus, dasz du jetzt, wo du geistig wieder heiter bist, etwas zu Papier bringst(würden wir sagen) d. h. ein schriftstellerisches Product, das so langer Vorstudien und vorgän- giger Bearbeitung in Gedanken nicht bedarf, veröffentlichst und so erst einmal wieder nach längerer Pause ein Lebenszeichen von dir gibst. Und so ists denn auch wirklich geschehen. Während Cicero das Hauptwerk im Geiste mit sich herumtrug und allmählich bearbeitete, schrieb er gleich nach dem Rrutus bekanntlich den Orator ad M. Brutum, wozu er schon lange den Plan gefaszt hatte; dafür hatte er den Stoff schon lange im Geiste bereit, der Ora- tor stand nach Inhalt und Plan ziemlich fertig in seiner Seele; es bedurfte nur der Aufzeich- nung. Diesz Werk ist denn auch hier als das gemeint, das Cicero als der Meister seinem Jünger M. Brutus schuldete, der, wie damals gerade noch andere erwachsene Römer*) von ihm lernen wollte und wie wir aus dem Orator*²) wiszen, wiederholt gewünscht hatte, gerade von Cicero die Frage über den besten Redner beantwortet zu sehen. Doch auch damit will Atticus nicht drängen, sondern nur bitten, dasz er die Ausführung möglich mache. Nur um eins bit- tet er gleich: um die Darstellung dessen, was den Inhalt des Brutus ausmacht. So hängt Al- les auf das beste zusammen, und Cicero gewährt uns einmal hier einen Einblick in die Werk- statt seines Geistes, der damals mit einer Menge literarischer Probleme umgieng: das Haupt- werk, das er vorhatte, war die Schrift de legibus, die beiden andern bedeutenderen Werke, die nebenher geschrieben wurden, waren der Brutus und gleich darauf der Orator.
So elwies sich also hier die Annahme einer Interpolation bei näherer Betrachtung als un- begründet. In noch höherem Masze aber ist diesz an den andern Stellen der Fall, die neuer- dings Campe aus unserem Text entfernt wiszen will.***ν) Wird das jedesmalige Misverständnis beseitigt, so fällt damit auch die darauf gegründete Interpolationsannahme zusammen. Interpo- lation soll unter andern sein:
*) ad. Fam. IX 16, 7: 18, 1. Sueton. de rhet. 1. Quint. XII 11. 6. **) Or. 1, 1. 3; 11, 35; 16, 52; 41, 140; 43, 147; 52, 174; 71, 238. *rm) Beiträge zur Kritik etc. S. 5— 17.


