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5.
Zu den Stellen, in denen ein Wort verderbt ist, scheint auch 8, 31 zu gehören: His(näm- lich den Sophisten) opposuit sese Socrates, qui subtilitate quadam dis putandi re- fellere eorum instituta solebat verbis. Huius ex uberrimis sermonibus eesti- ter unt doctissimi riri. Mit Recht haben die Herausgeber an dem hinter solebat stehenden verbis Anstosz genommen, das, so wie es dasteht, unerklärlich bleibt. Denn es kann weder, wie Klotz meint, als Gegensatz zu inslituta genommen werden:— denn die insttuta et praecepta sophistarum(Brul. 31, 119) waren doch auch 10„%,— noch auch, was Bernhardy für möglich hält, darin die Andeutung liegen, dasz Sokrates nicht durch Schriſten, sondern lediglich durch mündliche Unterweisung in persönlichem Verkehr den Sophisten ihre Irrtümer nachgewiesen habe. Durch das vorausgehende subtilitate quadam disputandi ist in dieser wie jener Beziehung der Gegensatz der sokratischen Methode gegen die sophistische hinlänglich ausgedrückt.
Schon Orelli vermutete daher, dasz die handschriftliche Lesart verderbt sei und meinte. ursprünglich habe vielleicht aurbanissime da gestanden, woraus später aus Versehen das un- verständliche rerbis geworden. Nach dem vorausgehenden sublilitate quradam dispufandi würde aber dieses urbanissime ein fast nichtssagender, jedenfalls höchst schleppender Zusatz sein. Der Sat⸗z schlieszt offenbar mit solebat ab; denn das Bedenken, was man früher wol erhoben hat, dasz dann die Schluszworte den in der Prosa zu meidenden Ausgang eines Hexameters bildeten, wird wol jetzt angesichts so mancher anderen Stellen, wo diesz gleichfalls vorkommt, nicht leicht mehr geltend gemacht werden. Darum ist auch nicht anzunehmen(wie früher O. Jahn vermu- tete), dasz hinter verbis ein Beiwort ausgefallen sei, welches die einfache Sprache des Sokrates der künstlichen der Sophisten gegenüber bezeichnet habe. So scheint denn nichts anderes übrig zu bleiben, als das Wort verbis zu streichen, und dazu haben früher schon Schütz. Ellendt, zu- letzt im Philologus II, S. 384 auch M. Haupt und nach ihm Kayser geraten; seiner Ansicht nach ist verbis nicht, wie Ellendt meint, aus dem folgenden Auius entstanden, sondern aus dem vorhergehenden Paragraphen irrig wiederholt,— also eine Dittographie nach arrogantibus sane verbis.— Jahn hat deshalb in der neuen Auflage das Wort geradezu weggelaszen. Indessen das scheint mir doch in diesem Falle zu gewagt. Ich glaube vielmehr, dasz in„verbis“ ein Adjectiv steckt und zwar variis. Der eine Satz schlieszt mit solebat, dann heiszt es weiter: Eoæ rariis eius et uberrimis sermonibus exstiterunt doctissimi viri, Vielleicht führt auch die Lesart einiger alten Editionen vir is darauf. Wie aus ex pariis die jetzige ver- derbte Lesart rerbis hat entstehen können, erklärt sich leicht. Waren die Worte dicht aneinander so geschrieben: solebalevariiseiuseuberrimis etc., so lag es einem Abschreiber, der den Sinn nicht verstand, sehr nahe, das e(eæ) hinter solebat wegzulaszen und aus dem unerklärlichen oder un- leserlich geschriebenen varis das geläufigere verbis zu machen. Eine weitere Folge war dann, dasz die Abreviatur von et vor uberrimis für e(ew) genommen und darnach so geschrieben wurde. Die Hauptstütze erhält aber die vorgeschlagene Lesart durch ein paar andere Stellen. von denen eine geradezu als Parallelstelle zu der unsrigen angesehen werden kann: ich meine


