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Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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Zur

Geſchichte der Stadt Alsfeld.

Von Dr. W. G. Soldan. (Fortſetzung.)

X. Rechte und Laſten.

1. Märkte. Da die älteſten Freiheitsbriefe der Stadt nicht mehr vorhanden ſind, ſo iſt es nicht zu verwundern, daß ſich über Zahl und Stiftungszeit ihrer erſten Märkte nichts Genaueres ermitteln läßt. So viel ſteht indeſſen feſt, daß in alter Zeit auf Walpurgistag ein freier Markt gehalten wurde, den man dann der marburger Meſſe wegen auf Pfingſten verlegte. Philipp der Großmüthige verwilligte der Stadt drei freie Jahrmärkte ¹); neben dieſen blieb auch der Pfingſtmarkt beſtehen, wurde aber von nun an nicht mehr eingeläutet. Eine Beſchwerde von 1558 hebt hervor, daß die Schuhmacher an dieſem Markte Fremde nicht neben ſich verkaufen laſſen wollten ²). Dieſen unfreien Pfingſtmarkt nun und noch einen andern, den man um Kiliani(8. Juli) zu halten pflegte, verwandelte Ludwig VI 1668 in offene freie Jahrmärkte und fügte noch zwei offene freie Viehmärkte hinzu, den einen am Vortage des Faſten⸗ markts, den andern an dem des Kilianimarkts ³). Somit hatte Alsfeld jetzt fünf große Jahrmärkte, von welchen zwei auch noch einen Viehmarkt vor ſich hatten.

Auch mit dem Wochenmarkt auf Sonnabend war verordnungsmäßig ein Viehmarkt verbunden, wo die Verkäufer von neun Uhr an feil hielten und an Ausländer erſt um zwei Uhr ihre Waare ablaſſen durften).

2. Den Weinſchank hatte die Stadt durch landesherrliche Bewilligung jedenfalls ſchon vor 1414, wo Ludwig der Friedſame bei ſeinem Regierungsantritt ihr denſelben von Neuem beließ,ire ſchult zu

¹) 1545. Rathsbuch zu Alsfeld fol. 62.

²) Acten im St. A.

³) Urk. im St. A. Datum Rheinfeld den 18. Sept. 1668. ) Samml. fürſtl. Heſſ. Landesordnungen I. 55.