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1 (1912)
Entstehung
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Andererseits ist für den Binnenländer der Horizont durch Berge begrenzt; die Ansicht, daß ein gewaltiges Wasser rings um die Erde flutet, wird ihm ersetzt durch die für ihn sehr naheliegende Erklärung: die Erde ist durch einen gewaltigen Gebirgswall umgrenzt, auf dem das Himmelsdach rings aufliegt. Geht der Stern unter, dann wandert er um diese Gebirgsmauer herum und steigt von ihr aus an seiner gewohnten Stelle wieder empor.

Beide Erklärungen begegnen uns zum Teil noch in ihrer ganz ursprünglichen Form. So erzählen sich die Pawnee- Indianer:Einst lag ein Mann auf dem Gipfel eines Berges.... Da hörte er eine Stimme, die ihm befahl, nicht fortzugehen, denn er stehe an der Stelle, wo die Sterne vorüberkämen. Die Sterne sind nämlich menschenartige Wesen, die tagsüber um die Erde wandern. Als er so da lag, sah er sie vorübergehen, alle gingen von Ost nach West. Und zuletzt kam ein großer Krieger, rot bemalt; in den zusammengefalteten Händen trug er eine Keule, auf dem Kopfe eine Flaumfeder, die rot bemalt war. Das war der rote Morgenstern.¹⁰) Von einer Wanderung um die Erde auf oder jenseits des umschließenden Randgebirges sprechen auch die alten Perser. ¹0a) Auch bei den Griechen und Römern waren wohl ähnliche Ideen bei solchen Stämmen ge- läufig, denen der Horizont von Bergen verschlossen war ent- weder ringsum oder speziell in der Himmelsrichtung, aus der des Abends die Sterne aufstiegen. Sobald der Gesichtskreis sich mit der Zeit erweitert hatte, wurde natürlich dieses Randgebirge in weite Fernen hinausgeschoben, die nur ganz besonders kühne Menschen, wie z. B. Herakles, erreicht haben. Der ganze Mythen- komplex, der den riesigen Himmelsträger Atlas im Laufe der Hahrnmigerte übersponnen hat, ist wohl aus dem einfachen Welt- ild aufgewachsen, daß ein gewaltig hohes Gebirge rings die Erde abschließt, und daß auf diesem der Himmel aufsteht. Die Sterne mußten nun sich tagsüber in diesen Bergen aufhalten. Daß auch den Griechen gerade diese Idee nicht fremd war, zeigt uns die Vorliebe der Dichter, sie von den Bergen auf- steigen zu lassen, die den Horizont ihrer Heimat nach Westen zu abschlossen. So geht der Abendstern der Sappho und ihren Nachahmern vom Oeta auf, andere nennen den Olymp oder den ldaos) oder er kommt für weitgereiste Leute aus ganz fernem Westen, dem Atlasgebirge her, wo er den wunderbaren Hesperidengarten besitzt. ¹*= Hier

1⁰7) A. C. Fletcher, Pawnec Star Lore= The Journal of American Folk-Lore XVI(1903) S. 11. ¹²) jensen a. O. S. 210.

108) Belege habe ich zusammengestellt, R. V. V. III 2 S. 30, 1.

1⁰9) Diodor. IV 27. 3