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mit Nordholland verbinden, um dann die eingeschlossene See gleich dem Haarlemer Meere auszuschöpfen. Man hofft damit 19500 ha Land mit einem Aufwande von 20—25 Millionen Gulden, über 34— 42 Millionen Mark, trocken zu legen.
Zugleich aber hat man Ameland mit dem Festlande verbunden, wodurch man ein Gebiet, von 30000 ha durch Austrocknen gewinnen will. Die Insel Ameland, in ostwestlicher Richtung parellel mit der Nordküste von Westfriesland liegend, hat kaum einen Meeresarm von 7 ½ km Breite zwischen sich und dem Festlande. Am Ostende dieser Wasserstrasse bricht sich die Strömung der Emsmündung, am Westende die der Jjssel. In der Mitte der Wasserstrassen neutralisieren sich die beiden Strömungen und gelangen beinahe vollkommen zum Stillstande. Diesen Punkt gerade hat man gewählt, um von der friesischen Küste einen 87 m langen Damm nach dem südlichen Ufer von Ameland zu leiten, wodurch der Stillstand der Strasse gesichert und die allmähliche An- schlemmung des betreffenden Terrains herbeigeführt wird. Zu Anfang des Jahres 1873 war der Absperrungsdamm vollendet, trotzdem heftige Stürme während des Baues im Jahre 1872 wüteten. Und nach den rasch von statten gehenden Anschlemmungen zu schliessen, wird die Arbeit vom besten Erfolge gekrönt werden.
Auf diese Weise wird im Westen und Norden die Zuidersee immer mehr eingeengt, bis ihr nur noch die Gestalt eines dem Dollart ähnlichen Ausflussbeckens übrig gelassen wird. Schon beginnt man, der See auch selbst zu Leibe zu gehen. Ein Abschliessungsdamm ist in Aussicht genommen, welcher, bei Enkhuizen beginnend, vom westlichen Ufer über die Insel Urk und Schokland bis zur östlichen Küste bei Kampen reicht und die Scheidung der südlichen von der nördlichen Hälfte sichern soll.
Kürzer wäre gewiss die Linie Medemblik-Stavoren, aber man will die wasserreiche Jjssel von der Verbindung mit der Nordsee nicht abschneiden, um so eher das auszuschöpfende Gebiet vor bedeutenden Wasserzuströmungen zu bewahren.
Was für ein ganz anderes Gesicht würde dann die Karte Hollands bekommen? Das grosse Seebecken würde verschwunden sein. Die Städte Hoorn, Edam, Harderwijk und andere, die jetzt Seestädte sind und sich in den Fluten der Zuidersee spiegeln, werden in Binnenstädte verwandelt, und von den Inseln Urk und Schoklaud dürfte kaum noch der Name erhalten bleiben. Die See selber aber wird, die Gestalt einer halben kreisförmigen von Osten nach Norden gewundenen Bucht einnehmend, uur noch eine erweiterte Mündung der Jjssel vorstellen. Und sollte dann noch durch Anschlemmung ein Anschluss der Insel Texel und Vlieland, Terschelling und Ameland unter einander und an dem nordholländischen Kontinent zu stande kommen, dann würde nur noch die Mündung der Jjssel da sein, als Meer aber hätte die Zuidersee ihre Rolle ausgespielt.
Dazu scheint auch alle Aussicht vorhanden zu sein, deun das eijerlandische Gat zwischen Texel und Vlieland versandet. Ein Strandsee oder auch ein Meerbusen Burdine, Borneda in der Gegend von Franeker ist jetzt trockenes Land, und sein Name wird nur noch in Borndiep, Boerdiep erhalten. Bolswardia, das sonst am Ufer lag, befindet sich heute weit vom Meere.
Bereits ist man schon an die Ausführung des Projektes, die Zuidersee trocken zu legen, herangegangen. Man hat den Meeresboden untersucht und denselben, da er zu ½¼ aus Lehm, zu % aus Sand besteht, gut zur Bebauung gefunden. Die Kosten sind auf 180 Millionen holländische Gulden, etwas über 300 Millionen Mark, veranschlagt worden.


