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1 (1884)
Entstehung
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von den Direktorgeschäften zu entlasten. Später machten die Erkrankungen einiger Kollegen sowie das Auftreten des Scharlachfiebers in der Familie eines Lehrers längere Vertretungen nötig. Am 19. Juni beehrte seine Excellenz der Herr Kultusminister Dr. Gossler in Begleitung des Herrn Oberpräsidenten, Staatsminister Grafen zu Eulenburg, Exc., des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer, des Herrn Oberbürgermeister Weise und des Mitgliedes unseres Kuratoriums Dr. Hoch- huth unsere Schule in den ersten Morgenstunden mit einem Besuche.

Am selben Vormittag fand vor den versammelten Schülern auf dem Friedhofe die Enthüllung eines einfachen Denkmals auf dem Grabe des vor einem Jahre verstorbenen Direktors Dr. A. Preime statt. Der Sängerchor sang ein Lied, und Herr Prorektor Heuser hielt eine kurze Gedächtnisrede.

Am 21. Juni führte Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer den Unterzeichneten feierlich in sein Amt ein. In seiner Rede hob er besonders die Vorteile hervor, welche der Anstalt wie dem Direktor daraus erwachsen könnten, dass dieser so lange bereits als Lehrer an der Schule thätig gewesen sei. Nach der Antrittsrede des Direktors begrüsste denselben Herr Oberbürgermeister Weise in einer kurzen Ansprache, und Herr Dr. Hochhuth rief ihm das Wort zu, das die Anfangsworte des Schluss- gesanges des Schülerchors bildete: Unseren Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleicher Massen.

Am 2. September hielt Herr Dr. Schantz die Festrede; Deklamationen schlossen sich an dieselbe an.

Die Lutherfeier fand zunächst für sämtliche Schüler in der Aula des Realgymnasiums statt. Sie bestand aus Gesängen und Deklamationen der Schüler und der Festrede des Herrn Dr. Ulrici. Die Feier war eine öffentliche. Die Schüler der oberen Klassen hatten als Festgabe seitens der Stadt eine Sammlung von Luthergedichten erhalten, welche von Herrn Pfarrer E. Fürer verfasst sind, die unteren Klassen das Roggesche Leben Luthers. Nach der Schulfeier nahmen Deputationen sämtlicher Klassen an dem Gottesdienst teil, welcher für alle Schulen Cassels in der St. Martinskirche gehalten wurde. Am Festaug beteiligte sich das Lehrerkollegium.

Am 26. und 27. November hielt Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer eine Revision der Anstalt, bei welcher er dem Unterricht eines jeden Lehrers eine Zeitlang beiwohnte.

Am 22. Dezember wurde, wie alljährlich um diese Zeit, eine feierliche Weihnachtshora gehalten.

Am 22. März hielt zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät unseres Kaisers Herr Krauth die Festrede über die Einweihung des Nationaldenkmals.

Die Sommerferien dauerten vom 2. bis zum 30. Juli, die Herbstferien vom 24. September bis 8. Oktober, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis zum 7. Januar.

Die mündliche Entlassungsprüfung für Ostern 1883 fand am 13. März unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Kretschel statt. Es wurden drei Schüler(in der Liste mit* bezeichnet) dispensiert; auch die übrigen vier bestanden. Für den Herbsttermin hatte sich ein Abiturient gemeldet. Die schriftliche Prüfung desselben fand vom 6. bis 11. August statt, die mündliche am 18. September unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer; er erhielt das Zeugnis der Reife. Für den Ostertermin 1884 waren 12 Schüler und ein Auswärtiger zu prüfen. Erstere schrieben vom 21. bis 26. Januar ihre Prüfungsarbeiten, letzterer am 22., 23. und 24. Januar, einen Teil derselben erst vom 11. bis 15. Februar. Am 19. und 20. März wurde die Prüfung unserer Abiturienten unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer abgehalten; zwei Schülern wurde die mündliche Prüfung erlassen(in der Liste mit* bezeichnet); die übrigen 10 erhielten ebenfalls das Reifezeugnis.

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