Das
deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste
von
Dr. phil. Albert UIrici
ordentl. Realgymnasiallehrer.
TPeil I.
n
Gegenwärtige Abhandlung über die Veränderungen des deutschen Meeres und seiner Süd- und Ostküste will nicht etwas ganz Neues und Besonderes darbieten, sondern sie ist ein Versuch, durch eine kurze Zusammenstellung von im allgemeinen bekannten Meeresbildungen und Küstenwandlungen denen einen Dienst zu erweisen, die sich in der Kürze über jene höchst interessanten Verhältnisse und Begebenheiten unterrichten wollen.
Nun bin ich mir recht wohl bewusst, dass reicherer Stoff mit vielleicht mehr Geschick hätte gegeben werden können, besonders bei ausgedehnterer Benutzung der zahlreichen fremdländischen, vor allem holländischen Quellen; sie waren aber für mich teils gar nicht, teils sehr schwer zu erreichen, weshalb ich mich neben den mir zugänglichen Werken sehr oft mit Auszügen und in Zeitschriften zerstreuten Abhandlungen begnügen musste. Und auch hierbei waren noch genug Schwierigkeiten zu überwinden, um alle von mir für diese Arbeit benutzten Hilfsmittel nach meinem damaligen Wohnsitze zu erhalten. Vornehmlich statte ich hier nochmals meinem früheren Direktor, Realschuldirektor Becker in Hanau, meinen Dank für die Unterstützung ab, die er mir bei der Bearbeitung dieses weiten Feldes teils durch treffliche Winke, teils durch Leihen von Büchern aus seiner reichen Bibliothek hat ange- deihen lassen.
Eine genaue Betrachtung der Süd- und Ostgestade des deutschen Meeres auf einer Karte über- zeugt uns, dass diesen Küsten etwa von den Mündungen des Rheins bis hinauf zur jütischen Halbinsel vom Meere arg mitgespielt worden ist. Zerbrochene Dünenketten, eine Reihe zersplitterter Inseln, tiefeingerissene Busen bieten sich unserem Auge dar. Vergleichen wir aber ältere Karten mit den heutigen und ziehen glaubhafte Uberlieferungen zu rate, dann bekommen wir ein ganz anderes Bild.


