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[1] (1873)
Entstehung
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wie es nur zu natürlich war, vom Parteistandpunkt aus auf der einen Seite die aufrichtigen Anhänger Heinrichs für die nationale Sache in die Schranken traten und mit edler Hingabe für die Verwirklichung ihrer Ideen kämpften; während auf der andern Seite die Reformpolitiker der Kirche mit zäher Unnachgiebigkeit für die auf dogmatischer Basis aufgebaute Hierarchie stritten: gab es auch Männer der Mitte, deren stilles Ideal das harmonische Zusammenwirken zwischen König und Kirche blieb, welche die entstandene unheilbar scheinende Differenz zwischen Heinrich und Gregor aufrichtig beklagten und ihrer bekümmerten Stimmung einen poetischen Ausdruck verliehen. Ihre Klänge, in denen sich tiefe politische Weisheit ausspricht, sind uns zum Teil erhalten und klingen aus den düstern Hallen mittelalterlicher Vorzeit gleichsam wie das Abendläuten einer unsichtbaren Kirche zu uns herüber in den Worten:

Querit apostolicus regem depellere regno,

Rex furit e contra papatum tollere papae.

Si foret in medio, qui litem rumpere posset

Sic, ut rex regnum, papatum papa teneret,

Inter utrumque malum fieret discrecio magna.

Dr. Friedrich Braun.

Die Fortsetzung folgt im nächsten Programm.