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war in fünf nebeneinander liegende mit flach eingehauenen Bogen überspannte Felder eingeteilt, von denen nur das mittlere noch ganz erhalten ist. Hier ist ein bärtiger Mann dargestellt, der peide Hände betend empor hebt. Gekleidet ist er in einen langen, um die Lenden gegürteten Rock aus schwerem Stoff, auf dem versetzte Spitzovale sichtbar sind. Ob hier bloss eine Musterung vorliegt oder aufgenähte Stückchen Pelz gemeint sind,— eine Verzierungsweise, die schon die alten Germanen liebten, wie wir aus Tacitus(Germ. XVII) wissen,— mag unentschieden bleiben. Die Unterschenkel des Mannes sind mit langen Schuh- bändern umwunden. Über seinem Kopf steht im Bogen die Inschrift: † DIE DE: RIH, bei der die Trennung der Silben durch Punkte zu beachten ist. Dass hier das Bildnis der Haupt- person erhalten ist, ergibt sich schon aus der Stellung in der Mitte des Ganzen.— Die beiden angrenzenden Felder bestanden nur aus den erwähnten Bogen, von denen jedoch nur der Ansatz erhalten ist, und den von ihnen umspannten Segmenten; darunter war bis zu dem Inschriftteil hinunterreichend auf beiden Seiten eine fensterartige Offnung in den Stein hineingehauen. Ihr Zweck ist rätselhaft; vielleicht gehörte unsere Platte zu einer Art von Ubersarg, hinter dem man den eigentlichen Sarg sehen sollte, vielleicht dienten sie auch zur Aufstellung von Heiligenfigürchen oder dergl.— Die Felder ganz rechts und links(das erste und fünfte, wobei aber nicht ausgeschlossen ist, dass sich die Platte noch weiter fortsetzte) waren zweifellos wieder in der Art des mittleren mit Figuren ausgefüllt; freilich ist nur von der links stehenden ein Rest vorhanden. Dargestellt war hier eine Frau, die nach der Stellung der Füsse zu urteilen sich dem Dieterich zuwendete. Auch an ihren Unterschenkeln erblickt man die langen Schuhbänder. Die Inschrift lässt vermuten, dass es Dietrichs Mutter Drulinda war, während rechts der Vater Goldefrid?] gestanden haben wird.
Was von der Hauptinschrift noch erhalten ist, lautet: gehugi Diederihes Goſdefrides?] inde Drulinda sonels].„Gedenke des Dieterich, des Sohnes des Goſdefrid?) und der Drulinda.“
Die figürlichen Darstellungen weisen ebenso wie die vorkommenden Wortformen auf das Ende des 10. Jahrhunderts.— Am Ende der ersten Zeile fehlt noch ein Stück von dem Namen des Vaters, am Ende der zweiten stand sones. Ob darauf noch ein frommer Wunsch folgte, z. B. eine Entsprechung zu dem lat. sit ei terra levis oder zu dem mhd. dem got genad, lässt sich nicht sagen; vielleicht war der Raum, etwa 16 cm, frei gelassen.— gehugi ist entweder der Imperativ von gihuggen„gedenken“ oder Nom. Sing. des Substantivs, mhd. gehüge stf., md. gehuge„Gedächtnis, Andenken“, ahd. kehuge„memoria“ Graff 6,792, wozu lat. Inschriften zu vergleichen wären, wie Memoria El(avi) Pusinnionis ete.(Keller I, 141 a).— inde ist unser „und“— Drulinda(-G?) ist Genetiv von dem gleichlautenden Nominativ.
Die Inschrift gehört zu den wichtigsten unserer Sammlung, da es, soweit mir bekannt, die einzige Steininschrift ist, die es aus althochdeut- scher Zeit gibt. Ihrem Lautbestand hat Behaghel im Korrbl. d. W. Z. XX, S. 5 ff. eine ausführliche Besprechung gewidmet, der ich das Folgende
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