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77. Drei Amphorenhenkel mit Fabrikantenstempel, a) gef. im Jahre 1904 im Weisenauer Steinbruch der Portland-Cementwerke Mannheim- Heidelberg; Geschenk der Direktion.
(TIOPI
Unter den zahlreichen gestempelten Amphorenhenkeln, die das Mainzer Museum besitzt, ist also dieser dadurch ausgezeichnet, dass er als Ort der Herstellung eine bekannte Stadt, nämlich Italäica, das nicht weit vom heutigen Badajoz in Hispania Baetica lag. Aber noch zwei andere Amphorenhenkel unserer Sammlung weisen auf dieselbe Gegend des süd- lichen Spaniens hin. b) Der eine, am 12. Januar 1905 auf dem Gebiete des Reichen-Claraklosters an der Flachsmarktstrasse gefunden, lautet: F SCIMNIANI= fundi Scimniani= de fundo Scimniano„vom Grundstück des Scimnius“(ein ähnliches, aber vorn verstümmeltes Exemplar kam schon früher in unseren Besitz, s. Korrbl. d. W. Z. XIX, S. 39). Wo diese Töpferei lag, erfahren wir aus einer Inschrift, die als Adresse einer Amphora aufgemalt ist(s. Nr. 85). Diese wurde zu Rom in dem Mte. Testaccio, dem haushohen„Scherbenberge“, gefunden und ist durch Nennung der Konsulnamen auf das Jahr 161 datiert. Da hier die Jig(inae) Scimnia(nae) neben der Stadt Astigi(j. Ecija, sw. v. Cordoba) genannt werden, so ergibt sich, dass sie im heutigen Andalusien lagen. c) Der andere oben gemeinte Stempel wurde am 20. September 1899 beim Bau der Henkell'schen Sekt- kellereien, zwischen Münstertor und Walpodenstrasse, gefunden. Er lautet; II IVN MELISSI]ET MELISSE= duorum Jun(iorum) Melissi et Melisse. Wo diese Firma der„Geschw. Junius“ blühte, erfahren wir aus den Stempeln einer in Grand gefundenen Amphore, die auf dem einen Henkel die Inschrift L IVN M ELISSI, auf dem andern die Inschrift: F SCIMNIANO=(de) fumndo) Scimniano trägt. Von den drei hier besprochenen Mainzer Stempeln ist der erste aus Deutschland sonst noch nicht gemeldet, der zweite ist noch in Bingen, der dritte öfter vorgekommen; im Mte. Testaccio sind sie alle drei gefunden worden. Die Henkel, woran sie sich befinden, sind kurz und dick und gehören zu der dickbäuchigen, unten in eine Spitze ausgehenden Art von Amphoren(s. Abb. Nr. 83). Die Blütezeit der darauf genannten Firmen fällt nach der oben angeführten Datumsangabe erst in die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts; die zahlreichen, z. T. wohler- haltenen Amphoren, die beim Bau der neuen Militärbäckerei und ander- wärts in Mainz zu Tage kamen, und deren Zeit durch andere dabeiliegende Sachen sicher auf die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts bestimmt ist, haben dagegen die schlanke Form mit flachen Henkeln(s. W. Z. XX. Tfl. 17, 2— 7) und zeigen leider weder Stempel noch Aufschrift, trotzdem lässt sich auch für sie die Herkunft aus Spanien wahrscheinlich machen und es ist gewiss von kulturgeschichtlichem Interesse, dass schon in der Römerzeit solch grosse Amphoren, natürlich mit Wein(oder Ol) gefüllt, von den Ufern des Guadiana und Guadalquivir auf dem Seeweg nach Mainz gelangten.
Vergl. CIL. XIII, 10 002, 21, 53 und 296; XV 2631, 3169 und 2966. Korrbl. d. W. Z. XIX, S. 39 und XXIII, S. 167.
Die Inschrift ist aufzulösen L(ucius) ..) D(...) F(ecit) Italicae.


