„Zu Ehren des Kaiserhauses haben am 23. August des Jahres(236 n. Chr.), in welchem unser Herr, der Kaiser Maximinus, und Africanus Konsuln waren, der Göttin Virtus Bellona den vor Alter verfallenen Vati- kanischen Berg wiederhergestellt die Speerträger der Gemeinde der Mattiaker(um Wiesbaden und Kastel), deren Namen hier unten auf- geführt sind:
Gajus Meddignatius Severus, zum zweiten Mal Kurator(„Pfleger“ des Vereines der Hastiferi s. u.)“ usw.(Namen wie oben.)
Z. 2 a. A. steht Bellona statt Bellonae.— Unter der Bellona, die hier mit der Virtus verschmolzen ist, darf man nicht die altrömische Gottheit dieses Namens verstehen, vielmehr ist die ursprünglich in der kappadokischen Stadt Komana verehrte Göttin Mà gemeint, deren Priester während des ersten vorchristlichen Jahrhunderts im Gefolge der aus dem Orient heimkehrenden Heere in Rom ihren Einzug hielten; zu Anfang des dritten Jahrhunderts n. Chr. mag dann dieser Gottesdienst im römischen Reiche staatliche Anerkennung gefunden haben. Er war wesensverwandt mit dem aus der galatischen Stadt Pessinus stammenden, aber auf Grund sibyllinischer Orakel schon im Jahre 205 v. Chr. in Rom eingeführten Kult der Mater deum magna Idaea: von einer sinn- verwirrenden Musik in heilige Raserei versetzt führte die Schar der Feiernden wirbelnde, wütende Rundtänze auf, während deren sie sich selber mit dem Doppelbeil an Leib und Armen verwundeten, um schliesslich im Zustand völliger Ekstase den Blick in die Zukunft frei zu haben. Also eine Art von Gottesdienst, wie wir ihn heute noch im Orient bei den „heulenden“ und den„tanzenden Derwischen“ finden. Nun war wenigstens seit dem Ausgang des 2. Jahrhunderts n. Chr. mit dem Kulte der Magna Mater ein Stier- und Widderopfer besonderer Art, das Taurobolium, ver- bunden, das eine Reinigung und„Wiedergeburt“ des betreffenden Menschen auf 20 Jahre oder auch auf alle Ewigkeit gewährleistete. Der Mittelpunkt dieses ganzen Tauroboliendienstes befand sich in einem Heiligtum am Abhang des mons Faticanus am rechten Tiberufer, wo beim Bau der Peterskirche eine Menge von Taurobolienaltären aufgefunden wurden. Auf dieses Heiligtum der grossen Göttermutter im vatikanischen Gebiete Roms weist nun offenbar der in unserer Bellona-Inschrift vorkommende Ausdruck mons Vaticanus hin, wir werden uns also darunter eine Art von Tempel zu denken haben.— Z. 3 conlabsum statt des gewöhnlicheren conlapsum. — Z. 4 ist a. E. des ersten Wortes T nicht etwa mit dem vorausgehenden N verbunden, sondern es fehlt gänzlich.— Die Aastiferi, die auch in Köln und in Vienne vorkommen, bildeten einen sacralen Verein, dem auch der örtliche Sicherheitsdienst in der Grenzstadt übertragen war. Auf einer bei Amöneburg a. Rh. gefundenen Inschrift(CIE. XIII, 7317), heisst es: hastiferii(So!) sive pastores consistentes Kastello Mattiacorum, wo pastores ein sacrales Wort ist(Ubersetzung von S0vz64⁴) und eine Gruppe von Ver- ehrern der Magna mater bezeichnet.— Z. 4 f. Die ciwitas Mattiacorum hatte ihren Mittelpunkt in A uαe Mattiacorum, dem heutigen Wiesbaden, während Castellum Mattiacorum, das heutige Kastel, eine des Stadtrechts entbehrende Ortschaft desselben Gaues war.— Z. 6 ist der Name des Kaisers Maximinus(Thrax, 235— 238) absichtlich ausgemeisselt, da er vom Senat, um den er sich nicht gekümmert hatte,(schon zu seinen Lebzeiten) ge- ächtet worden war.— Z. 9 ist der Vorname Gaius auch in der Abkürzung mit G statt mit C geschrieben. In dem darauf folgenden Gentile sind die durchstrichenen D bemerkenswert, welche einen den Römern fremden, gallischen Laut bezeichnen, der dem englischen weichen th gleich war.— Z. 10 ist durch ein Versehen des Steinmetzen in Quietus das I ausgelassen. Ob a. E. Abrosus oder Aprosus gestanden, ist nicht festzustellen.— Z. 11 ist links wegen einer Beschädigung des Steines der Raum einer Zeile unbeschrieben geblieben; rechts steht durch ein(auf schlechter Aussprache beruhendes?) Versehen Marcrinius statt Macrinius, ferner Perpetus, wie


