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Oben fehlt ein Stück des Steines, und auch sonst ist er vielfach beschädigt. Ja die Zerstörung scheint seit der Auffindung noch Fortschritte gemacht zu haben, da Brambach und Becker Z. 21— 27 noch eine Menge Buchstaben sahen, von denen jede Spur verschwunden ist. Von den Namen lässt sich jetzt nur noch die obere Hälfte der linken Reihe, und auch diese
nur mit grosser Mühe, entziffern.— Z. 1 a. E. war T mit dem voraus- gehenden E verbunden.— Z. 3 vicani salutares sind nicht die Bewohner
eines vicus salutaris eines„gesunden Viertels“, das man früher dieses Namens wegen in die Gegend der„Goldenen Luft“ verlegte, vicani salutares steht nach v. Domaszewski für vicani vici Salutis. Mit diesem vicus Salutis sind die in Metz vorkommenden vicus Honoris(CIL. XIII, 4301) und vicus Pacis(CI. XIII, 4303) zu vergleichen. Daneben werden in Mainz noch folgende andere erwähnt: der vicus nopus(Becker 93= CIL. XIII, 6773), der vicus Vobergensis(Becker 68=(IL. XIII, 6689) und der vicus Apollinensis(Bramb. 1138= CIL. XIII, 6688). Die Lage dieser vier Siede- lungen oder Dörfer auf dem territorium legionis ist noch nicht mit Sicherheit festzustellen, doch werden die vier römischen Friedhöfe an der Anlage, bei Zahlbach, am Hauptstein und im unteren Gartenfeld damit zusammenhängen. — Die Lesung der Namen ist bei der schlechten Erhaltung des Steines nicht überall sicher, der Grad der Zuverlässigkeit ist aus der Abbildung meist ersichtlich. Bemerkenswerte Abweichungen von Zangemeisters Lesung im Corpus sind folgende: Z. 5 liest Z. ONGIO, Z. 11 PILEVS= Philetus (2), Z. 15 FESTVS, Z. 6 u. 7 rechts SEX(tus) AIMI(L)IVS VERVS.— Zangemeister schliesst aus den Namen, dass der Stein aus dem ersten Jahrhundert stamme. Mit Unrecht, glaube ich, denn ähnliche Namen kommen auch noch um 200 vor(z. B. Körber Nachtr. III, 25), und von den datierten Viergöttersteinen geht bis jetzt keiner auf die Zeit vor 170 zurück. Auch die Buchstabenform scheint auf das Ende des zweiten Jahrhunderts zu weisen.
Vergl. CIL. XIII, 6723= Bramb. 994 u. Add.= Becker 21.
34.„Viergötterstein“, gef. gegen Ende Oktober 1900 in den südöstlichen Grundmauern des ehemaligen Gautores. Gelblicher Sandstein. H. 86, Br. 37, D. 33 cm. Auf den vier Seiten des Sockels sind dargestellt: 1. Juno, in der Linken ein Weihrauch- kästchen haltend, mit der Rechten aus einer Schale das Trank- opfer auf ein kandelaberartiges Altärchen ausgiessend; 2. Minerva mit Schild und Speer; 3. Merkur mit Heroldstab und 4. Her- kules mit der Keule. Es ist das die namentlich in Mainz weitaus häufigste Zusammenstellung: die beiden capitolinischen Gottheiten Juno und Minerva(die dritte, Juppiter, wird in der Inschrift genannt gewesen sein), sowie Merkur und Herkules, worunter man Wuotan und Donar, die Vertreter der germanischen Götterdreiheit zu verstehen geneigt wäre, wenn nicht sonst fast alle Spuren germanischen Wesens aus römischer Zeit in unserer Gegend fehlten. UÜber diesem vierseitigen Sockel befindet sich ein achtseitiger Aufsatz, der an sieben Seiten mit Brustbildern, vielleicht der Wochengötter, geschmückt war. Eines davon ist jetzt ganz abgeschlagen, die sechs übrigen sind zum Teil verletzt, aber auch die unbeschädigten zeigen keine Attribute, aus denen man auf die Bedeutung der Bilder schliessen könnte. Die achte Seite enthält den Rest der Inschrift, deren letzte Zeile noch auf dem Sims des viereckigen Sockels steht. Der Anfang stand auf


