16 UM. Buch. M. Tit. Von Contraeten und Verbindlichkeiten.
Pol. mal. Cujaz ſagt, man mliſſe insidiis anſtatt indi- ciis leſen.*)
*) Der vorliegende Artikel, in Verbindung mit dem Art. 1109 u. 1110, erhielt ſeine Anwendung in folgendem Falle:
Im Heiraths⸗Contraete des Peter Claudius Papon vom 12. December 1734 wurde er und ſein Bruder Johann Jacob gemeinſchaftlich von ihren Eltern zu Univerſal⸗Erben er⸗ nannt. Nach beyder Sltern Tod entſtanden zwiſchen den zwey eingeſetzten Erben, und ihren zum Pflichttheile berechtigten Ge⸗ ſchwiſtern große Zwiſte uͤber die Feſtſetzung ihrer Gerechtſame. Peter Claudius und Johann Jacob Papon hatten das nehmliche Intereſſe und machten gemeinſchaftliche Sache. Erſterer kaufte einigen ſeiner Geſchwiſter ihre Anſprüche auf den Pflichttheil ab⸗ machte auf dieſe Weiſe in Hinſicht ihrer dem Streite ein Ende und theilte den hieraus entſpringenden Vortheil mit ſeinem Bru⸗ der Johann Jaeob. Dieſer gieng indeſſen nicht mit der nehm⸗ lichen Delicateſſe u Werke.
Im Jahre 9.(1801) machte er es mit den übrigen zum pflichttheile berechtigten Geſchwiſtern auf die nehmliche Art jedoch heimlich, und mittelſt Aete unter Privat⸗Unterſchrift. Seinem Bruder ließ er nichts davon wiſſen, und ſetzte im Gegen⸗ theile mit ihm den Proieß fort, während er anderer Seits im Nahmen ſeiner befriedigten Geſchwiſter die von ihnen angehobene Klage leitete.
So war er alſo dem Scheine nach Beklagter, in der That aber, unter der Larve ſeiner Geſchwiſter Kläger. Dieſe dop⸗ pelte Eigenſchaft gab ihm das NRittel an die Hand, der Strei⸗ tigkeit eine ihm beliebige Wendung zu geben; er machte Erklaͤ⸗ rungen, gab Anſpruͤche nach, ſtand von Behauptungen ab, die das Intereſſe ſeines Bruders gefährdeten, und den zum Pflicht⸗ theile Berechtigten zum Vortheile gereichten deren Anſprüche er doch alle an ſich gebracht hatte.
So vieler neuen Schwierigkeiten müde, deren urſache Peter Claudius Papon nicht argwohnte! gieng er mit ſeinen Geſchwi⸗ ſtern ein Compromiß ein, woran Johann Jacob eines Theils als Ritintereſſent mit ſeinem Bruder Peter Claudius, andern Theils aber unter der Larve ſeiner Geſchwiſter! in deren Rechte er ge⸗ treten war, Antheil nahm; ſo daß er von beyden Seiten die Bedingungen dos Compromiſſes feſtſette und die Schiedsrichter ernannte.


